Die Feen von Cottingley

Im Juli 1920 veröffentlichte eine Zeitung allem Anschein nach echte Feenfotos von Elsie Wright und Francis Griffith aus Dottingley..

 

INHALT:

  • Wie alles begann
    Zwei Mädchen spielen angeblich mit Feen und wollen Fotos machen, um ihre Eltern zu überzeugen.
  • Sherlock Holmes und die Feen
    Die Fotos geraten in die Hände des Sherlock-Holmes-Autors Sir Arthur Conan Doyle. Die Sache gerät aus den Fugen.
  • Zweifel
    Nicht jeder ist von der Echtheit der Fotos überzeugt!
  • Die Wahrheit
  • Erst in den 80er Jahren rücken "die Mädels" mit der Wahrheit heraus!
  • Aus heutiger Sicht
  • Wie konnten die Menschen damals so einfach darauf herein fallen?

Übersetzungen | Bilder |Seitenende

It seems at this point that we must either believe in the almost incredible mystery of the fairy or in the almost incredible wonders of faked photographs.

City News, 29.01.1920

Übersetzung 1

WIE ALLES BEGANN

Im Juli 1917 lebten in der kleinen Stadt Cottingely in Bradford, West Yorkshire, England, Elsie Wright (damals 16 Jahre alt) und ihre Cousine Frances Griffith (damals 10 Jahre alt). Sie hielten sich oft an dem kleinen Flüsschen auf, an das der Garten der Wrights angrenzte und behaupteten, sie spielten dort mit Feen. Die Eltern glaubten ihnen nicht, und so lieh Elsie eines Tages die Kamera ihres Vaters aus und brachte ein Foto heim, das Frances vor einem Wasserfall zeigte, während im Vordergrund Feen tanzten! Doch obwohl die Mädchen noch ein Bild fotografierten, auf dem dieses Mal Frances und ein Gnom zu sehen waren, glaubte ihnen zunächst niemand so recht, dass die Bilder echt wären.


Eine Cameo Midg Quarter Plate Camera, wie Mr Wrigth sie hatte

Die Feenfotos von Francis Griffith und Elsie Wright unterliegen leider noch dem Copyright. Deswegen erscheinen sie nicht auf dieser Seite, du kannst aber alle fünf Feenfotos hier ansehen:

http://www.randi.org/library/cottingley/

Seitenanfang

 

 

SHERLOCK HOLMES UND DIE FEEN

Die ganze Sache hätte vermutlich kein Aufsehen erregt und die Bilder wären in der Versenkung verschwunden, wenn die Mütter der beiden Mädchen sie nicht eines Tages mit genommen hätten zu einer Versammlung der "Theosophical Society" (eine Gesellschaft, die sich mit Übernatürlichem beschäftigte und damals sehr bekannt war).

1920 kamen die Bilder in die Hände von Edward Gardener, derzeit einer der leitenden Mitglieder dieser Gesellschaft. Mr. Gardener, an sich ein skeptischer Mann, ließ die Bilder von verschiedenen Fachleuten auf Echtheit prüfen.

Die Fotos wurden kopiert und neue Negative fabriziert, auf denen die Feen nun klarer heraus kamen, als auf den Originalen. Für uns heute unverständlich bleibt, warum alle "Experten" von nun an mit den neuen Bildern arbeiteten, die noch dazu von einem Fachman hergestellt worden waren, der, wie man auch damals schon wusste, sehr wohl Bescheid wusste über das Bearbeiten und Retuschieren von Fotos und Negativen.


Durch einen Zufall war um diese Zeit Sir Arthur Conan Doyle, der Autor der Sherlock-Holmes-Geschichten, der sich ebenfalls für Theosophie interessierte, mit einem Artikel über Feen vom Strand Magazine beauftragt worden. Er hörte von den Fotos und verwendete sie, nachdem er von ihrer Echtheit überzeugt war, für seinen Artikel "Fairies photographed–an epoch-making event".

Im August 1920 kam Edward Gardener höchst perselblich nach Cottingly und brachte Francis und Elsie zwei neue Kameras und 12 (heimlich markierte) Negativ-Platten, mit denen sie neue Feenfotos machen sollten. Tatsächlich lieferten die beiden wirklich noch 3 Bilder, auf denen Feen zu sehen waren. Nun waren besonders Gardener und Doyle überzeugt.

Doyle veröffentlichte die Fotos in seinem zweiten Artikel über Feen im Strand Magazine, der auch noch 1920 erschien und sich mit weiteren Feensichtungen beschäftigte.Später benutzte er diesen Artikel als Grundlage für sein Buch "The coming of the fairies", dass 1922 erschien. Er glaubte an die Echtheit der Feenbilder, bis er 1930 starb.

1921 wurde der Hellseher Geoffrey Hodson (Geoffrey Hodson Homepage: http://geoffreyhodson.iinet.net.au/) nach Cottingley geschickt, um, wenn möglich, Feen zu begegnen. Tatsächlich behauptete er, er habe die Feen gesehen.

Seitenanfang

 

ZWEIFEL

Trotzdem war nicht jedermann von der Echtheit der Fotos überzeugt. Fachleute von Kodak, die ebenfalls hinzu gezogen wurden, wollten jedenfalls nicht aussagen, dass die Bilder echt waren.

Ein wichtiger Kritikpunkt war auch damals schon, dass die Feen auf den Fotos irgendwie "zu modisch" seien und sehr den Bildern in damals populären Märchenbüchern ähnelten. Eines davon, "Princess Mary's Gift Book", war auch im Besitz der beiden Mädchen. Eine Illustration daraus ist das Titelbild oben. Elsie hatte außerdem immer sehr gerne gemalt (vor allem Feen!) und sogar eine Zeit lang bei einem Fotografen gearbeitet.

Wenn man auf einem der Bilder, das Frances mit einer Fee zeigte, die Fee genau ansah, konnte man klar erkennen, dass eines der Beine nicht zum Körper passte. Seltsamerweise wurde diese Tatsache damals sogar als Beweis dafür angesehen, dass das Foto echt war: Schließlich hätten die Feen ja nicht wirklich einen Körper, und so sei es kein Wunder, wenn ein Bein nicht dazu passte.

Ferner konnten Elsie und Frances nur Feenbilder liefern, wenn sie allein gelassen wurden. Doch wurde auch diese Tatsache als Beweis für die Echtheit angesehen, denn die Feen vertrauten einfach nur den beiden Mädchen!

Nebenbei: Frances Vater, Arthur Wright, hatte niemals an die Echtheit der Bilder geglaubt. Sir Arthur Conan Doyle war damals sehr in seiner Achtung gesunken, als er die Fotos für echt befand.

Aber niemand konnte sich wirklich vorstellen, dass zwei Mädchen fähig waren, einen solchen Betrug durchzuziehen und auch so lange durchzuhalten. Dabei war Frances auch, als das erste Bild gemacht wurde, gar nicht mehr so ein kleines Mädchen, immerhin war sie schon 16 Jahre alt und hätte selbst schon ein Kind haben können!

Seitenanfang

 

DIE WAHRHEIT

My heart always sinks when I look at it. When I think
of how it's gone all round the world - I don't see
how people coult believe they're real fairies...

Elsie Wright, über das Foto "Frances mit den Feen"

Übersetzung 2

Schon früh hatten Elsie und Frances gestanden, den armen Frances Hodson an der Nase herum geführt zu haben. Sie hätten einfach in die Luft gezeigt und behauptet, dort seien Feen, und prompt hätte Hodginson dort Feen gesehen, worüber sie sich beide sehr amüsiert hätten.

Aber erst 1982 bzw. 1983 gaben die beiden (inzwischen 75 und 81 Jahre alt) tatsächlich zu, die ersten vier der berühmten Fotos gefälscht zu haben. Tatsächlich hätte Elsie die Feen nach dem "Princess Marys Gift Book" gemalt, und die beiden hätten sie mit Hilfe von Hutnadeln wie Kulissen aufgestellt.

In Francis Buch, dass 1983 erschien, schreibt sie:

I'm fed up with all these stories... I hated those photographs and cringe every time I see them. I thought it was a joke, but everyone else kept it going. It should have died a natural death 60 years ago.

Das fünfte Foto, "Fairies and their Sun-bath", das halb durchscheinende Gestalten auf einem Stück Wiese zeigt, blieb noch eine Weile geheimnisvoll. Beide Frauen bestanden darauf, das Bild fotografiert zu haben, und beide glaubten, es seien wirklich Feen darauf abgebildet. Später wurde dann festgestellt, dass es sich dabei um eine Doppelbelichtung handelt.

Seitenanfang

 

 

AUS HEUTIGER SICHT

Wenn man die Bilder heute so ansieht, kann man es sich kaum vorstellen, dass sie so lange Zeit für echt gehalten wurden. Nun sind sie aber alle hinterher bearbeitet worden. Die Originale und die damaligen Abzüge waren wesentlich unschärfer.

Man muss auch bedenken, dass die Fotografie damals noch eine relativ neue Technik war. Fast jedermann glaubte, dass Fotos immer die Realität darstellten, ja, dass Kameras mehr sehen konnten als menschliche Augen. Kaum jemand konnte sich wirklich vorstellen, dass man Fotos auch fälschen könnte. Eine Kamera lügt nicht, dachte man, und so gab es damals auch unendlich viele Abbildungen von garantiert "echten" Geistern!

Zudem traute den beiden (hübschen) Mädchen, die ja unbescholten waren und einen guten Ruf hatten, niemand zu, dass sie eine so große Sache durchziehen könnten, wenn sie nicht wahr sei, ganz abgesehen davon, dass man sie für zu jung und zu naiv dafür hielt.

Insbesondere die Mitglieder der "Theosophical Society" wollten wohl auch einfach an die Echtheit der Bilder glauben. Denn wenn die Fotos echt waren, dann war das ein Beweis für die Existenz von Feen, und dann war die Theosophie nicht länger nur eine Theorie für Spinner, sondern konnte wissenschaftlich bewiesen werden.

Warum haben nun Francis und Elsie sich wohl einen solchen Betrug ausgedacht und dann auch noch jahrelang auf der Echtheit der Bilder bestanden?

Zunächst ärgerten sie sich wohl, dass die Eltern nicht an ihre Feen glauben wollten, obwohl sie zum Beispiel den Nikolaus als Tatsache hin stellten. So wollten sie irgendwie einen Beweis liefern. Dann war es sicher erst einmal reizvoll, die Erwachsenen herein zu legen. Später wurde die Sache vermutlich zum Selbstläufer, und als schließlich so viele berühmte Leute darin verwickelt waren und so viel darüber geschrieben worden war, trauten sie sich einfach nicht mehr, mit der Wahrheit heraus zu rücken. Erst als die meisten Menschen, die in den Fall verwickelt waren, nicht mehr lebten, gaben Elsie und Francis, inzwischen längst gesetzte, ältere Damen, ihre Fälschung zu.

Nun, wenigstens haben Elsie und Frances mit ihren Fotos keinen wirklichen Schaden angerichtet. Dafür haben sie unzählige Menschen fasziniert und unterhalten, was mehr ist, als die meisten professionellen Fotografen von ihren Bildern sagen können. Und es sieht so aus, als würde diese Faszination anhalten: In den 90er Jahren wurden zwei Filme über diese Geschichte gedreht:

Sowohl Elsie Wright als auch Frances Griffith schworen übrigens auch noch am Ende ihres Lebens, dass sie damals in Cottingly wirklich Feen gesehen hätten. Die Fotografien hätten sie nur gefälscht, weil sich die echten Feen halt nicht auf Celluloid bannen ließen...

Seitenanfang

 

 

Übersetzungen:

1. Übersetzung

Es scheint, an diesem Punkt müssen wir entweder an das fast unglaubliche Mysterium der Feen oder an das fast unglaubliche Wunder gefälschter Fotografien glauben.

2. Übersetzung

Ich bin immer traurig, wenn ich es ansehe. Wenn ich daran denke, wie es um die Welt gegangen ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Leute glauben konnten, dass das richtige Feen sind...

3. Übersetzung

Ich habe all diese Geschichten satt ... Ich hasste diese Fotografien und mich schaudert jedes Mal, wenn ich sie sehe. Ich dachte, es wäre ein Scherz, aber alle anderen trieben es weiter. Es sollte schon vor 60 Jahren eines natürlichen Todes gestorben sein.

Bilder:

Das Titelbild zeigt die die Illustration von Claude Shepperson
zu Alfred Noyes Gedicht "A Spell for a Fairy" in dem Buch
"Princess Mary's Gift Book", nach dem Elsie Wright
die Feen auf dem ersten Foto gemalt hat.

Die Feenfotos von Elsie Wright und Frances Griffith kannst du hier ansehen:

http://www.randi.org/library/cottingley/

 

 

Weiterlesen: Feenträume, Faerietales, Feenkinder

Hilfe, ich habe mich verfranzt: Sidemap

 

Faerieland/Inhalt

Gästebuch

 

|Rabenseiten| Impressum | Faerieland
Blumiges | Lesestoff | Im Jahreskreis | Sternstunden| Just for the girls| Ein Moment in der Zeit