Die dunkle Seite

Hier geht es um Feentricks und schlimme Feenuntaten.

 


dunkle Seite

Franz von Stuck: Tilla Durieux als CirceFranz von Stuck: Tilla Durieux als Circe
Franz von Stuck: Tilla Durieux als CirceFranz von Stuck: Tilla Durieux als Circe

Originalbild: "Tilla Durieux als Circe" von Franz von Stuck (1863-1928)

Our minds are at their best this night.
And I seem to know
that everything outside
us is mad as the mist and snow.

William Butler Yeats, aus: "Mad as the Mist And Snow"

Übersetzung

Tricks und Feenstreiche

  • Einfach Ärger machen
    Gerne bereiten die Feen uns Menschen unangenehme Überraschungen!
  • Ausborgen
    Wenn Feen etwas "ausborgen", dann wird man das in den meisten Fällen niemals mehr zurück bekommen.
  • Viehdiebstahl
    Von Zeit zu Zeit leihen sich die Feen auch gerne einmal ein Pferd.

Schlimme Untaten

  • Menschenraub
    Man sagt, Feen entführten immer wieder Menschen in ihr geheimnisvolles Reich. Diese kommen dann oft niemals mehr zum Vorschein.
  • Mord und Totschlag
    Einige der Feen sind wirklich üble Unholde!

Seitenende | Übersetzung

 

 

Feen können sehr großzügig sein. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sie auch eine dunkle Seite haben. Deswegen können Begegnungen mit ihnen auch durchaus übel ausgehen, ja unter Umständen, wie wir noch sehen werden, sogar gefährlich werden. Die meisten Untaten, die Feen zugeschrieben werden, sind aber eher leichter Natur, und überhaupt hört man heutzutage nicht mehr viel über wirklich schlimme Verbrechen, die von Feen verübt wurden.

EINFACH ÄRGER MACHEN

Feen sind das, was man im Englischen "Trickster" nennt, das heißt, sie spielen den Menschen gerne üble Streiche. Anscheinend haben sie einen sehr eigenartigen Humor! Meistens sind es die harmlosen Unanehmlichkeiten des Lebens, die den Feen in die Schuhe geschoben werden. Diese Streiche können für das Opfer aber auch unangenehme Folgen haben und manchmal richtig gefährlich werden.

So sollen sie Wanderer in die Irre führen. Manchmal können die Opfer dann den Ausgang nicht mehr finden aus einem Feld, das sie eigentlich genau kennen. Stundenlang irren sie dann herum und kommen erst im Morgengrauen wieder heim. In manchen Gegenden, zum Beispiel im Gebirge oder im Moor, ist die Sache allerdings nicht so harmlos, wenn man dort vom Wege ab kommt, so ist das ja manchmal sogar tödlich.

Weiters sollen Feen ahnungslosen Menschen die Schuhbändel aufknüpfen oder zusammenbinden, so dass man stolpert, einem die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn man nach dem Einkaufen das Auto ausladen will und den Schlüssel drinnen gelassen hat, sie zerzausen einem nächtlings die Haare, so dass sie morgens beim Auskämmen ordentlich "ziepen", (die "Bad-Hair-Day-Fairy) kurz, sie bereiten einem gerne unangenehme Überraschungen.

Manchmal sollen die Feen auch den Bauern auf Märkten unbemerkt das Geld aus dem Beutel nehmen, so dass diese nichts kaufen können. Ab und zu sollen sie die Münzen auch gegen Feenmünzen auswechseln, die sich einem dann in den Händen auflösen, sobald man damit irgend etwas bezahlen will.

Sie lieben es, Leute zu erschrecken und Strickstrümpfe wieder aufzutrennen, sie machen gesammeltes Kleinholz so schwer, dass man es nicht mehr tragen kann, kurz, sie mögen es anscheinend, wenn unser Leben durch sie ein bisschen durcheinander gerät.

Ihre Gaben (siehe unsere Seite Gute Nachbarn ) erweisen sich oft als reine Illusion, das Feengold wird zum Besispiel, wenn man es genau ansieht oder gar verwenden möchte, zu trockenen Blättern oder auch zu ekelhaftem Unrat.

Seitenanfang

 

 

AUSBORGEN

Feen sollen uns Menschen öfter mal etwas klauen. "Ausborgen" nennen sie das beschönigend. Sie gehen dabei oft sehr listenreich vor, so sollen schottische Elfen schon Wirbelwinde erzeugt oder Feuer gelegt haben, um an erwünschte Gegenstände zu kommen.

Manchmal wird auch gesagt, die Feen würden dabei nur die "Essenz" der Dinge nehmen. Äußerlich sei nichts zu sehen, aber Geräte funktionieren dann nicht mehr, Nahrungsmittel machen nicht mehr satt und sind eventuell sogar schädlich für Menschen. Aber Feen sollen sich auch durchaus real Dinge aneignen, Nahrungsmittel, manchmal auch Saatgut, Haushaltsgegenstände, Kleidung, Vieh und anderes. was Menschen gehört.

Die Menschen, die von den Feen um ihr Eigentum erleichtert werden, sollen dieses oft irgendwie "verdient" haben, vielleicht sind es Geizhälse (was die Feen angeblich überhaupt nicht leiden können), oder das Gut war vielleicht unrechtmäßig erworben. Die Feen sollen sich also in Robin-Hood-Manier betätigen. Aber vielleicht wollten die Erzähler da auch nur irgendwie eine Rechtfertigung in die Geschichte bringen oder eine Moralpredigt halten.

Zurückbringen tun Feen geborgte Dinge wohl eher selten. Ab und an kommt es aber doch vor. Bei Aachen kursiert beispielsweise eine Geschichte darüber, wie Zwerge Kessel und Töpfe und allerlei Küchengeschirr bei den Einwohnern geliehen und redlich zurück gebracht haben.

Ausgeborgtes Korn soll allerdings fast immer, um einen großzügigen Zins vermehrt, zurück gebracht werden. allerdings erzählt man, Feen würden immer Gerste für Hafer zurück geben. Manchmal "bezahlen" die Feen die geborgten Dinge auch, indem sie andere wertvolle Dinge dafür zurücklassen (siehe unter Feengaben).

Wenn Menschen nun ihrerseits Feendinge ausborgen, haben die Feen das wohl weniger gern. Allerdings sollen sie bei Quedlinburg einmal den Menschen Zinnzeug für eine Hochzeit ausgeliehen haben, das scheint aber doch eher die Ausnahme gewesen zu sein.

Seitenanfang

 

 

VIEHDIEBSTAHL

Ab und an kommt es wohl vor, dass sich Feenrinder unter unsere Viehherden mischen. Wenn sie sich dann irgendwann wieder davon machen, sollen ihnen manchmal ein paar Tiere der Herde folgen, und der Bauer kann nur hilflos zusehen, wie sie in einem Hügel verschwinden. Es soll auch vorkommen, dass Tiere aus unseren Herden von den Feen gegen Feenrinder ausgetauscht werden. Diese sind den gestohlenen Rindern zum Verwechseln ähnlich, benehmen sich aber ungebärdig und geben kaum Milch. Manchmal sollen Feen auch nachts heimlich die Kühe melken, so dass der Bauer glaubt, die Milchleistung seiner Kühe sei erschreckend zurück gegangen.

Ferner sollen ein Großteil der Schafe, die sie auf ihren Feenweiden halten, aus Herden stammen, die menschlichen Farmern gehören. Ob sie die Tiere wirklich "geklaut" haben, oder ob diese entlaufene Tiere sind, die sich von selber den Feenherden zugesellten, wer will das entscheiden? Tatsache ist, dass Farmer ihre Tiere immer noch mit roter Farbe kennzeichnen, was ursprünglich geschah, um die Feen fernzuhalten.

Es wird auch berichtet, dass bösartige Feen Pferde von Menschen "ausleihen". Wenn ein Pferd nachts aufgeregt wiehert und am Morgen schweißbedeckt und erschöpft auf der Weide oder im Stall steht, so kann das daran liegen, dass Feen damit einen kleinen Ausritt veranstaltet haben. Sie sind dabei nicht unbedingt zimperlich, und man hat schon gehört, dass Tiere regelrecht zuschanden geritten wurden. Manchmal kommt es auch vor, dass die Tiere überhaupt gar nicht wieder auftauchen.

Seitenanfang

 

 

Feen sollen, wenn man den Erzählungen glauben will, auch wirklich schlimme Verbrechen begehen. Ihnen werden Entführungen und sogar Mord und Totschlag zur Last gelegt! Glücklicherweise sind solche Dinge heutzutage eher selten geworden, man hört eigentlich überhaupt nichts mehr darüber.

 

MENSCHENRAUB

Millais: The crown ov love
Sir John Everett Millais (1829-1896):
"The crown of love"

Fast alle bekannten Feenstämme sollen von Zeit zu Zeit Menschen entführt haben. Die Opfer wurden ins Feenreich gebracht und mussten dort mehr oder weniger Zeit zubringen. Manche kamen sogar niemals mehr zum Vorschein!

1. Opfer von Feenringen

Gelegentlich verschwinden Menschen, weil sie aus Versehen in einen Feenkreis getreten sind und dort in die wilden Tänze der Feen hinein gezogen werden. Da die Zeit in der Feenwelt anders verläuft als bei uns, sind diese Leute dann häufig für sehr lange Zeit verschollen. Es sieht aber so aus, als ob die Feen selber nichts aktiv dazu beitrügen, es geschieht einfach hin und wieder.

 

 

2. Menschen mit besonderen Talenten und Fähigkeiten:

Während die Opfer von Feenkreisen eher zufällig bei den Feen landen, sollen Menschen mit besondernen Fähigkeiten oft regelrecht in die Feenwelt entführt werden. Ich hatte schon über die Musiker berichtet, denen dieses geschah. Ab und zu holen sie Menschen, denen große Weisheit nachgesagt wird. Diese stehen von nun an Feenkönigen und -königinnen zur Seite, um sie zu beraten. Auch besonders geschickte Handwerker und Hebammen werden geraubt, oder stillende Frauen als Ammen für Feenbabys, deren Mütter sie nicht selbst versorgen können. Die Feen rauben diese Menschen, weil sie ihnen mit ihren Fähigkeiten zu Nutze sein können.

Bei Handwerkern oder Künstlern ist das allerdings zweifelhaft, finden wir, denn die Feen sollen doch angeblich auf diesen Gebieten selbst große Meister sein.

 

 

3. Attraktive junge Männer und Frauen

Immer wieder wird auch berichtet, dass besonders schöne junge Männer und Frauen von den Feen entführt werden. Diese werden meist in der Feenwelt verheiratet und verschwinden dann oft für immer aus der Menschenwelt. Dabei scheinen Feen eine besondere Vorliebe für Blondinen zu haben.

Besonders der Feenkönig Finvarra ist sehr bekannt für das, was man im Englischen "womanizing" nennt, das heißt, er raubt schöne, junge Frauen in sein Reich, obwohl seine Feenkönigin doch alle menschlichen Frauen an Schönheit übertreffen soll. Dabei kümmert er sich nicht darum, ob sie eventuell eine Liebsten haben oder gerade heiraten wollen, im Gegenteil: das scheint ihn erst Recht anzuspornen.

Doch nicht nur Mädchen, auch junge, kräftige Männer sollen schon von den Feen verschleppt worden sein. Es gibt eine wunderschöne Ballade über Tam Lin, einen jungen Ritter, der von der Feenkönigin geraubt wurde.

Manchmal werden die Entführten später frei gelassen, wenn sie nach Jahren ihrer Schönheit verlustig gegangen sind (man sagt, nach 7 Jahren. Merkwürdig, sollten denn auch Feen vom Jugendwahn befallen sein? ). Diese Leute haben sich dann oft große Weisheit erworben und sollen Krankheiten heilen und die Zukunft voraussagen können. So ist immerhin für ihre Zukunft unter den Menschen gesorgt, wenn sie auch oftmals irgendwie "seltsam" geworden sind und sich bei uns nicht mehr richtig zu Hause fühlen.

Manchmal dauern die Entführungen aber auch nur eine Nacht, junge Männer und Frauen werden für ein Fest ins Feenreich und anschließend wieder zu ihren Familien zurück gebracht. Ihre Erfahrungen im Feenreich behalten sie für immer im Gedächtnis , ihr ganzes Leben lang sehnen sie sich nach der Feenwelt und haben es schwer, ein normales Leben zu führen. Man sagt, ihre Seele sei im Feenreich zurück geblieben, sie seien "mit den Feen".

 

 

4. Kinder:

Bauer
John Bauer (1882-1918)

Die meisten Menschen, die im Feenreich verschwinden, sind aber noch Kinder. Diese Kinder werden oft ersetzt durch einen sogenannten Wechselbalg (engl. Changeling), das kann ein uraltes Feenwesen sein, ein Feenkind, aber auch einfach ein Holzstrunk, denen durch einen Zauber die Gestalt des gestohlenen Kindes verliehen wird.

Diese Wechselbälger sind meist hässlich und kränklich, benehmen sich nicht wie ein braves, normales Kind (wer sagt hier, normale Kinder seien nicht brav?????) sondern schreien häufig, und sind oft gierig und rotzfrech. Nach einiger Zeit "stirbt" das Wechselbalg für gewöhnlich, und die trauernden Eltern haben keine Ahnung, dass ihr eigenes Kind in Wirklichkeit nicht im Grab liegt, sondern bei den Feen lebt.

 

 

WARUM TUN DIE FEEN DAS?

Die Menschen haben sich viele Gedanken darum gemacht, warum Feen sich als Kidnapper betätigen. Der allgemeine Tenor ist, dass sie dafür folgende Gründe haben:

1. Spaß an der Freude:

Es macht den Feen einfach Spaß, sie tun es, weil sie niemand daran hindern kann und sie damit uns Menschen gewaltigen Ärger bereiten und uns Schaden zufügen können.

2. Freiwillige:

Die "Entführten" wurden gar nicht geraubt, sondern zogen freiwillig mit, weil ihnen das Leben bei den Feen gefiel oder vielleicht, weil sie einen elfischen Liebhaber/eine elfische Liebhaberin hatten.

3. Handwerker:

Feen benötigen die Fähigkeiten und Kenntnisse der Menschen, weil bei ihnen niemand diese besonderen Fähigkeiten besitzt. Eigentlich ist das ziemlich unwahrscheinlich, sollen doch die Feen selbst handwerklich sehr geschickt sein.

4. Auffrischung der Blutlinie:

Da die Feenstämme oft ziemlich isoliert leben, brauchen sie dringend frisches Erbgut, damit ihre Blutlinie nicht durch Inzucht geschwächt wird. Deswegen tauschen sie vermutlich auch ihre eigenen Kinder gegen Menschenkinder aus. Ersatz für eigene Kinder:Wie man erzählt, werden den Feen eigene Kinder nur selten geboren, deswegen stehlen sie Menschenkinder, um sie an Kindes statt aufzuziehen. Tribut an den Teufel: In manchen Gegenden glaubt man, dass Feen von Zeit zu Zeit dem Teufel Tribut zollen müssen, indem sie Personen opfern. Um ihr eigenes Volk zu schützen, sollen sie dafür Menschen bevorzugen.

 

MORD UND TOTSCHLAG

Abgesehen davon, dass Feen Menschen, die mit ihnen Streit haben, oft mit Krankheiten strafen, die nicht selten zum Tode führen, sollen einige Feen wirklich regelrechte Unholde sein. Begegnungen mit ihnen gehen selten gut aus! Mehr darüber findest du im

 

Wie gesagt, hört man in der heutigen Zeit recht wenig über Entführungen durch Feen, auch Mord und Totschlag kommt eher selten vor. Es mag daran liegen, dass Feen insgesamt nicht mehr so häufig vorkommen, vielleicht sind sie heute auch zivilisierter geworden. So mancherlei Unannehmlichkeiten und Ärgernisse werden ihnen aber auch heute noch in die Schuhe geschoben.

Wie man sich vor den Tricks der Feen schützen kann, erfährst du auf unseren Seiten:

 

Übersetzung:

Unsere Seelen sind heute nacht in bester Form,
und ich weiß wohl, dass alles außerhalb
von uns wahnsinnig ist
wie der Nebel Nebel und der Schnee.