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Ein Männlein steht im Walde...

Ganze Generationen sind in die Falle getappt! Was in diesem Rätsellied still und stumm im purpurroten Mäntelein im Walde herum steht, ist nicht, wie meistens vermutet, der giftige Fliegenpilz. Heinrich Hoffmann von Fallersleben meinte nämlich damit die Hagebutte. Das wird in der letzten Strophe verraten:

1. Ein Männlein steht im Walde
ganz still und stumm.
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
daß da steht im Wald allein,
mit dem purpurroten Mäntelein ?

2. Das Männlein steht im Walde auf einem Bein.
Es hat auf seinem Haupte ein Käpplein klein.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
daß da steht im Wald allein,
mit dem kleinen schwarzen Käppelein ?

( Ein Kind antwortet )
Das Männlein dort auf einem Bein, mit dem roten Mäntelein
und seinem schwarzen Käppelein kann nur die Hagebutte sein!

Nachdem die zarten Blüten sich verabschiedet haben, verwandeln sich viele Rosen in rote, orange, schwarze oder auch grünliche Bällchen, die Hagebutten. Es gibt sie in dick und kugelig, elegant flaschenförmig, klein und rund, in glatt oder behaart. Obwohl es auch einige gefüllte und öfter blühende Rosensorten gibt, die Hagebutten ausbilden, sind es doch eher ungefüllte oder leicht gefüllte Wildrosen, die sich mit ihnen schmücken:

  • wilde Heckenrose oder Hundsrose (Rosa canina)
  • japanische Apfelrose oder Kartoffelrose (Rosa rugosa)
  • Gebirgsrose (Rosa pendulina)

 

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Wiepeldorn und Dornapfel:

Die Heckenrose hat über 100 volkstümliche Namen, z. B. Hahnpoten, Hageroos, Heckenroos, Hundsroos, Wildrose, Buttelrose, Buttlenstrauch, Dornröschen, Egeltieren, Frauenrose, Häglidorn, Hagbuttenstrauch, Hagenbutte, Hagenbutze, Hagerose, Hainbutten, Hambutten, Heckenrose, Hetschipetsch, Heideröslein, Hiefalter, Hiefe, Hundsdorn, Hundsrose, Jemkerdorn, Judendorn, Kippendorn, Kleidorn, Lausbusch, Mariendorn, Rosendorn, Weichagen, Weicheldorn, Weichdorn, Wepeldorn, Wiepeldorn, Wiepdorn, Wildrose, Wipken, Zaunrose

(eine holsteinische Hahnpotensuppe hat also nichts mit Hühnerbeinen zu tun, sondern ist eine Hagebuttensuppe!)

Alle Namen mit "Hage" wie Hagedorn, Hagebutte und so weiter haben etwas zu tun mit "Hac" (= mittelhochdeutsch "dichtes Gebüsch, Dornengestrüpp). "Butte" kommt von "Butzen" (= Klumpen, hier: Frucht).

die vielen Namen beweisen schon die hohe Bedeutung, die die Wildrosen auch schon in alter Zeit für die Menschen hatten. Schon in der Steinzeit war sie wohl eine willkommene Abwechslung auf dem Speiseplan, wie Funde aus alten Pfahlbau-Ausgrabungen beweisen.

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Verwendung:
  • Frucht: die ganze Hagebutte
  • Hagebuttenschalen (ohne die Kerne, die man botanisch korrekt "Nüsschen" nennt) als Marmelade, Tee, Wein
  • die Nüsschen oder Kerne (Kernlestee nennt man das bei uns im Süden, man muss ihn kalt ansetzen und lange kochen)

Hagebutten-Marmelade (Marmelade d’églantines)

Man nimmt recht reife Hagebutten, macht die Kerne heraus, thut sie in eine Schüssel und läßt sie unter öfterem Umrühren mehrere Tage, bis sie völlig weich sind, stehen. Sie werden sodann durch ein Haarsieb gestrichen und zu 560 Gramm Mark 560 Gramm Zucker genommen, welchen man zum Flug kocht, die Marmelade dazu rührt und einigemal mit aufkochen läßt. Diese Marmelade wird gleich in Gläser gefüllt, mit Papier zugedeckt und wenn sie kalt ist, zugebunden aufbewahrt.

(J. Rottenhöfer in: Neue vollständige theoretisch-praktische Anweisung in der feinern Kochkunst.von 1858)

Mehr Hagebutenrezepte (externe Links):

http://www.seitenzahl.de/kueche/hagebutten.htm

http://www.garten-literatur.de/Pflanzen/Rezepte/rosen_rezepte.htm

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Inhaltsstoffe:

Wie man heute weiß, sind für das leuchtende Rot sind Karotinoide und Lycopin verantwortlich, außerdem enthalten sie jede Menge Vitamin C (ein Löffel Hagebuttenmus deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen!), Gerbstoffe, Eisen und Saccharose, Flavonide, Pektine und Mineralstoffe.

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In der Heilkunst

Obwohl die Ärzte im Mittelalter ja noch gar nichts vom Vitamin C wussten, verordneten sie Hagebutten schon gegen "feiicht zanfleysch".

In der Heilkunst gelten die Hagebuttennüsschen als wassertreibend und wird daher bei Blasen- und Nierenleiden verwendet.

Durch den hohen Vitamin-C-Gehalt eignen sich die Hagebuttenschalen natürlich auch als Erkältungstee.

Vor kurzem haben drei Schüler aus Hessen im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht" außerdem einen Hagebuttentee entwickelt, der gegen Herpesviren hilft.

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Zauberpflanze:

Schon immer waren die Menschen bezaubert von den schönen Blüten und dem Duft. Maria, so heißt es, habe einst die Windeln des Jesuskindes an diesem Dornenstrauch aufgehängt, woraufhin er nun die rosigen Blüten hervorbringt. Aber auch die Dornenkrone Jesu war aus Rosenzweigen geflochten. so stand der Strauch in so hohem Ansehen, dass so manches Bäuerlein seinen Hut zog vor einer "Butteleshecke".

In den Dornen einer slchen Wildrosenhecke konnten man aber auch leicht hängen bleiben, und so pflanzte man Zaunrosen als Schutzhecken um die Höfe. Wo aber Menschen und Tiere nicht hindurch kommen, so dachte man früher, würden wohl auch Hexen und allerlei Geistervolk stecken bleiben, und die Hecken galten sogar auch als Schutz gegen angehexte Krankheiten.

Der Verzehr der ersten Hagebutte im Jahr sollte schützen gegen Gürtelrose.

Wenn man an Silvester oder Weihnachten (natürlich unter volkommenem Schweigen!)3 Hagebutten aß, war man im neuen Jahr weitgehend geschützt vor Unfall und Krankheit. Bei uns in Schwaben galt das vor allem für Halsweh, Seitenstechen und Magenleiden.

Hagebutten unter dem Kopfkissen sollten einen guten Schlaf bescheren.

"Rosenäpfel" oder "Schlafäpfel", merkwürdige Wucherungen die, wie man heute weiß, durch Rosengallwespen hervorgerufen werden, sollten bei Hundebissen gegen Tollwut helfen (daher der Name "Hundsrose" oder "Rosa canina") und unter dem Kopfkissen ebenfalls für einen guten Schlaf sorgen.

Das erste Badewasser eines Kindes sollte unbedingt unter einem Rosenbusch ausgekippt werden, das Kind sollte dann besonders gut gedeien und rote Backen bekommen.

Auch gegen Blitz und Unwetter, so hieß es, sollten die Früchte schützen.

Man benutzte die Sträucher auch zur Wettervoraussage: Trugen die Sträucher im Herbst viele Hagebutten, so galt das als Hinweis auf einen harten Winter mit viel Sturm und Regen.

 

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Für Kinder:

Kinder haben natürlich noch eine andere Verwendung für Hagebutten: aus den herausgepulten Kernen lässt sich ein prima Juckpulver herstellen, deswegen tragen die Früchte in Frankreich auch den Namen "gratte-cul", zu Deutsch: "Hinternkitzler".

Aber man kann die Früchte auch, wie Kastanien, mittels Zahnstochern zu lustigen Figuren zusammenstecken.

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Deko:

Undendlich viele Möglichkeiten: Hagebuttenkränze (Beeren entweder dicht an dicht in eine Kranzform stecken oder aus langen Zweigen einen lockeren Kranz winden. Letzteres sieht fertig wunderschön herbstlich aus, ist aber eine pieksige Angelegenheit und oft "mit Blut getränkt"!)

Wenn man ganz viele Hagebutten hat, kann man sie einfach abzubbeln, auf einen schönen Teller oder in einen Korb geben und mit einigen dazwischen gesteckten Zweigen mit Mini-Hagebutten auflockern. Wunderschöne Tischdeko!

Mini-Sträußchen binden und an Türklinken und Kommodenschubladen hängen.

Einfach ein paar Zweige in eine schöne Tonvase stellen.

Leider gelingt es nicht immer, die Hagebuttenzweige trocken zu lassen, aber wenn, dann hat man gleich eine schöne Weihnachtsdekoration!

Neulich las ich irgendwo im Internet den Vorschlag, Hagebuttenzweige mittels Glyzerin zu konservieren. Das wäre vielleicht mal einen Versuch wert. Eine Anleitung dafür gibt es hier:

http://inneneinrichtung.suite101.de/article.cfm/keine_rose_blueht_das_ganze_jahr

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