
Ich
wünsche Dir die Lebenskraft dieser Blume, die sich von Kälte, Eis und
Schnee nicht unterkriegen lässt und zu ihrer Zeit blüht. Jedes Werden
in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine
Zeit zum Blühen kommt. Dieter
Bonhoeffer Seitenende
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Schneeglöckchen
bilden die Gattung Galanthus der Familie Amaryllidaceae. Das Kleine Schneeglöckchen
trägt den botanischen Namen Galanthus nivalis. Als Gattung ist das Schneeglöckchen
sicher leicht zu erkennen, doch schon die Arten sind nicht leicht voneinander
zu unterscheiden, zumal einzelne Arten bereits am Naturstandort stark variieren.
Den
Gattungsname Galanthus - "Milchblume" (gala = griech. Milch, anthos
= griech. Blüte) nivalis (= griech. schneeweiß) trägt das Blümchen
seit Linnés 1753 erschienenem Werk "Species Plantarum". Er bezieht
sich gleich doppelt auf seine Blütenfarbe. Auf
den im 16. Jahrhundert in Deutschland gebräuchlichen Namen 'Schneetropfen'
geht vermutlich der englische Name 'snowdrop' zurück, womit die tropfenförmig
hängende Blüte gekennzeichnet wird. In Frankreich heißen die Blümchen
"Perce neige", in den Niederlanden sagt man Sneeuwklokjes. Die
robusten, mehrjährigen Krautpflanzen sind durch feste, blattlose Blütenstängel
und hängende Blütenglocken gekennzeichnet. Die Blüten besitzen
drei innere kürzere und drei äussere längere Kronblätter.
Die grünen Flecken heißen "Saftmale", sie sollen den Insekten
den Weg zum Nektar und zu den Pollen weisen. Man
kennt Schneeglöckchen seit mehr als 2000 Jahren. Seine Heimat ist in Europa
und Asien, von den Pyrenäen bis Süd-Russland. Galanthus nivalis ist
die einzige Art, die nördlich der Alpen beheimatet und vielerorts aus Gärten
verwildert ist. Am meisten verbreitet ist die Gattung mit ungefähr 15 Arten
im östlichen Mittelmeerraum. Seitenanfang 

Das
Schneeglöckchen ist eines der ersten Blumen, das Insekten wie z. B. dem Tagpfauenauge
Nahrung bietet. Im phänologischen Kalender gehört die Blüte des
Schneeglöckchens zu den Zeigerpflanzen des Vorfrühlings. Schneeglöckchen
stehen unter Naturschutz und dürfen in der freien Natur nicht gepflückt
oder gar ausgegraben werden. Schon
im Mittelalter hat man Schneeglöcken in den Gärten gezogen. Damals dachten
die Pflanzenkundigen, es sei eine Art Veilchen. Im viktorianischen England gab
es eine richtige "Galanthomania", denn Soldaten hatten Zwiebeln von
Galanthus plicata aus dem Krimkrieg mit heim gebracht, und Sammler hatten auch
noch andere Zwiebeln aufgetrieben. Besonders der Blumenzüchter Jame Allen
wurde bekannt mit Sorten wie Magnet, Robin Hood und Merlin. Noch heute werden
in England solche Zwiebeln mit bis zu 10 Pfund gehandelt!
- Standort:
Schneeglöckchen gedeihen vorwiegend an kühlen, also waldähnlichen
Standorten, sie bevorzugen kalkhaltigen Boden, als Dünger lieben sie Hornspäne.
-
Pflanzung:
Es ist nicht ganz einfach, Schneeglöckchen im Garten anzusiedeln. Oft
werden die Zwiebeln anscheinend von Mäusen gefressen, sind bei der Pflanzung
schon vertrocknet, oder kommen sonstwie nicht durch den Winter, so dass man im
Frühjahr vergebens nach den Pflänzchen Ausschau hält.
Mehr Erfolg hat man, wenn man sich von Nachbarn oder Freunden blühende Pflanzen
erbettelt. Geht das nicht, kann man beim Gärtner im Frühjahr auch blühende
Pflanzen kaufen und diese in den Garten setzen, wenn es nicht mehr so friert (
Den Topf vor dem Pflanzen in Wasser tauchen). Größere Tuffs im eigenen
Garten kann man nach der Blüte ausgraben (20 cm tief neben den Zwiebeln einstechen
und den Ballen vorsichtig herausheben, mit den Händen teilen). Wichtig ist
es, die Pflanzen so bald wie möglich in gleicher Tiefe wie zuvor zu pflanzen
und gut zu wässern. Sie trocknen nämlich leicht aus. -
Anzucht
aus Samen: Die Anzucht aus Samen ist ziemlich langwierig und klappt nicht
immer, obwohl sich die Pflanze bei richtigem Standort leicht selbst vermehrt.
Schneeglöckchen aus Samen blühen erst nach 3 Jahren. -
Sonstiges:
Schneeglöckchen stehen unter Naturschutz! Zwiebeln, die man im Herbst kaufen
kann, sind oft verbotenerweise dem Naturstandort entnommen! Seitenanfang 

Die
zarten Schneeglöckchen blühen im Garten meist als allererstes, oft stehen
sie sozusagen bis zum Hals im Schnee und auf gefrorenem Boden, was uns wirklich
als kleines Wunder erscheint. Wie
Märzenbecher und Narzissen gehören Schneeglöckchen zu den Geophyten.
Sie entwickeln ihren Vegetationskörper samt Blüten zeitig komplett aus
unterirdischen Speichern, den Zwiebeln. Wenn der Boden dann aufgetaut ist, können
die grünen Blätter Nährstoffe bilden und wieder in den Zwiebeln
einlagern (deswegen sollte man die grünen Blätter der Schneeglöckchen
nicht zu früh abschneiden!). Dabei entwickelt sich praktisch eine neue Zwiebel
in der alten, die zu braunen Schalen vertrocknet. Diese schützen die Zwiebel
in den warmen Sommermonaten vor dem Eintrocknen. Die
Schneeglöckchenblüte signalisiert den Beginn des Vorfrühlings (siehe
unsere Seite "Pflanzen, die den Beginn der Jahreszeiten anzeigen").
Sie gilt aber auch als Anzeiger für Klimaveränderungen. Auf Grund der
Erderwärmung blüht sie inzwischen in Süddeutschland etwa eine Woche
eher als vor 10 Jahren! Wie
viele weiße Blumen gelten Schneeglöckchen vielerorts als Symbol für
jungfräuliche Liebe. Nach der Christianisierung wurden sie zu einer der vielen
Marienblumen. Mit
dem ersten Schneeglöckchen, was man im Frühjahr sieht, soll man sich
die Augen wischen. Das soll sie vor Krankheiten bewahren oder sogar Augenkrankheiten
heilen. In
der Slowakei gräbt man Schneeglöckchenzwiebeln aus und gibt sie den
Kühen, damit Zauberinnen ihnen die Milch nicht stehlen können. Seitenanfang 

Schüchterne
Liebhaber benutzten früher getrocknete oder gepresste Schneeglöckchen
als Amulett, um auf Gegenliebe bei ihrer Angebeteten zu stoßen. Am
ersten März verschenken die jungen Männer "marti sor" (sprich:
marzi schorr, rumänisch = kleine Märzchen) an ihre heimlichen oder offiziellen
Liebsten. Das sind kleine, goldene oder silberne Broschen, die zusammen mit einem
Strauß Schneeglöckchen überreicht werden. Ein Marti sor ist natürlich
ein Liebesbeweis, und es soll bewirken, dass die Liebe auch über den Frühling
hinaus erhalten bleibt. Außerdem sollen sie die Liebste davor schützen,
für andere Männer Frühlingsgefühle zu entwickeln. Seitenanfang 

In
England sind Schneeglöckchensträuße verpönt, wegen der weißen
Farbe gelten sie nämlich als Todesboten. In
der Tat sind Schneeglöckchen nicht ganz so harmlos, wie sie aussehen. Sie
enthalten giftige Alkaloide, die bei übermäßigem Verzehr beim
Menschen unangenehme Symptome und sogar einen Kollaps auslösen können.
Siehe http://www-vetpharm.unizh.ch/giftdb/pflanzen/0162_vet.htm
(externer Link). Seitenanfang 

In
der Homöopathie setzt man die Pflanze manchmal bei Herzleiden ein. Neuere
Forschungen ergaben, dass eines der im kaukasischen Schneeglöckchen (Galanthus
latifolius) enthaltenen Alkaloide, das Galanthamin, möglicherweise hilfreich
sein könnte bei der Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit. Es
gibt umstrittene Versuche, das Gift der Schneeglöckchen gentechnisch in andere
Pflanzen einzubauen, um diese resistenter gegen Schädlinge zu machen. Mehr
darüber kannst du hier nachlesen:
http://www.medico.de/rundschr/rs199b.htm
(externer Link). Seitenanfang 

Der
Legende nach hat das Schneeglöckchen mit dem Schnee seine Farbe geteilt,
darum sollen Schnee und Schneeglöckchen befreundet sein, obwohl der Schnee
den anderen Blumen nicht gut tut. Die Legende kannst du nachlesen bei unseren
Blumenmärchen. Weiß:
Weiß steht außerhalb des Farbenkreises, im Gegensatz zu Schwarz,
das für die Dunkelheit steht, ist Weiß das Licht. Es steht für
Reinheit, Unschuld und Frieden und ist in manchen Ländern Symbol für
Tod aber auch für den Neubeginn. Grün:
Grün steht fast überall auf der Erde für die Fruchtbarkeit,
das Leben und Überleben und ist damit ein Symbol für die Hoffnung. So
wird die ganze Pflanze ein Symbol für das wiederkehrende Leben im Frühling. Seitenanfang

Bilder: Die
Bilder sind von Lina, mit Hilfe eines alten Biologiebuches und einiger
Grafiken aus dem Internet. Links: Schneeglöckchengedichte
auf unserer Seite An
den Frühling Andersens
Schneeglöckchen findest du bei unseren Blumenmärchen. Mehr
über Schneeglöckchen als Giftpflanze gibt es hier: http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/schneegloeckchen.html
(externer Link) Hier
gibt es Infos über gentechnische Versuche mit Schneeglöckchen: http://www.medico.de/rundschr/rs199b.htm
(externer Link) Über
giftige Pflanzen im Garten kannst du dich hier informieren: http://www.zeutschergarten.de/thema_6.htm
(externer Link) Noch
mehr Marienblumen gibt es hier (englische Seite): http://www.udayton.edu/mary/resources/flowers.html
(externer Link) |