Veilchen

Viola spp.
Violaceae, Veilchengewächse

Die Kinder haben die Veilchen gepflückt,
All, all, die da
blühten am Mühlengraben.
Der Lenz ist da;
sie wollen ihn fest
In ihren kleinen Fäusten haben.

Theodor Storm

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INHALT:

     

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    Welch große Bedeutung die Veilchen für die Menschen hatten, erkennt man an den vielen Volksnamen, die man ihm gegeben hat: Wohlriechendes Veilchen, Osterveilchen, Blauvögschen, Blage Öschen, Gufenöndli, Maiennägelein, Marienstengel, Schwalbenblume, Veigele, Veiele, Veigerl, Veigeler, Vieli, Viänele, Vegeli, Vigeli, Vigelchen, Viole, Viölken, Vilken.

    VEILCHENSORTEN

    Zur Familie der Veilchengewächse (Violaceae), die zur Ordnung Violales gehört, zählen Kräuter, Sträucher, verholzende Kletterpflanzen und sogar Bäume. Insgesamt umfasst die Familie 23 Gattungen und 830 Arten. Zur Gattung "Veilchen" (Viola) gehören etwa 50 % der Arten, sie wachsen in den gemäßigten Klimazonen, aber auch bis hin zur Arktis. Typisch für sie sind die zweiseitig symmetrischen Blüten, die aus fünf sich gegenseitig überlappenden Kronblättern bestehen. und auf mehr oder weinger langen STielen sitzen. Die meisten Veilchen sind blau oder violett. Es gibt aber auch weiße, rosa und sogar gelbe Veilchen. Die Blütenblätter haben eine auffällige Streifenzeichnung (Saftmale), um Bienen anzulocken. Der Nektar ist in den je nach Art unterschiedlich langen Spornen. Veilchen besitzen wechselständige Blätter, dazu am Boden meist zwei Nebenblätter.

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    VEILCHEN IM GARTEN

    In unseren Gärten wird vor allem das Duftveilchen (eine immergrüne Staude), die, wie der Name schon sagt, gut duftet, angebaut, aber man findet auch Hundsveilchen (Viola cannina), Labradorveilchen (Viola labradorica), Waldveilchen (Viola reichenbachiana), koreanische Veilchen (Viola koreana), rumänisches Veilchen (Viola jooi) und Hainveilchen (Viola riviniana). Letztere wurde übrigens 2002 zur Blume des Jahres erklärt.

    Blütezeit: März - April, die meisten in Veilchenblau.

    Vermehrung: durch Ausläufer und Aussamung. Die Samen werden oft von Ameisen verbreitet.

    Kultur: Veilchen wachsen normalerweise am Waldrand im lichten Schatten, und lichten Schatten bevorzugen sie auch in Gärten, möglichst in nahrhaften Lemboden setzen. Allerdings sollen sie in mageren Böden stärker duften. Veilchen brauchen hohe Luftfeuchtigkeit, sonst bekommen sie leicht Spinnmilben. Deshalb bei trockenem Wetter ordentlich gießen.

    Veilchen sollten in größeren Gruppen gepflanzt werden, aber nicht zu dicht, damit sie sich nicht gegenseitig behindern. Sie können gut Unkraut unter Hekcen und Sträuchern unterdrücken. Geeignete Parterpflanzen sind Frühlingsblüher wie Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokus, außerdem Maiglöckchen, Polsterpflanzen (z. B. Blaukissen, Steinbrech), aber auch Pfingstrosen und sogar Rosen, allerdings brauchen diese einen größeren Abstand. Veilchen gedeien aber auch gut im Rasen, vorausgesetzt, man zerkleinert nicht ihre Blätter mit dem Rasenmäher. Man kann sie auch in Kübeln zur Unterpflanzung verwenden.

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    VEILCHEN IN DER VASE

    Schon im Athen des Altertums wurden Veilchensträußchen auf Mäörkten angeboten. Heute kann man sie meistens, zu kleinen Biedermeiersträußen gebunden, beim Blumenhändler kaufen. Die Blüten sollten nicht mehr knospig sein, auch wenn du sie selber pflückst, nimm nur voll erblühte. Sie halten sich besser in der Vase, wenn du das ganze Bündel einmal kopfüber ins Wasser tauchst. Ein guter Tipp ist, einen Eiswürfel in das Blumenwasser zu geben. Dennoch sind Veilchensträuße in der Vase nur ein kurzzeitiges Vergnügen. Übrigens: Veilchen nehmen Wasser auch mit den Blüten auf. Man könnte die Sträußchen also auch kopfüber in ein Glas mit Wasser stellen.

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    VEILCHENDUFT

    Nur eine der vielen Veilchenarten duftet, undzwar das Duftveilchen. Verantwortlich für den Duft ist der Aromastoff Alpha-Ionon. Obwohl man größere Ansammlungen von Veilchen oft eher riechen als sehen kann (Veilchen duften "laut", wie man auf dem Lande früher sagte), ist es ein sehr feiner Duft, den man erst ab einer Konzentration von 10.000.000 Molekülen/ml Luft wahrnehmen kann. Zum Vergleich: Rosenöl riecht man schon bei einer Konzentration 200.000 Molekülen/ml Luft.

    In alten Zeiten streute man Veilchenblüten zusammen mit Binsen auf den Boden, um die Raumluft mit einem frischen Duft zu erfüllen. Veilchenparfum kam zuerst im 14./15. Jahrhundert mit den arabischen Gewürzhändlern nach Europa. Doch auch hier wurde bald die Gewinnung von Veilchenöl, das übrigens von grüner Farbe ist, duruch Enfleurage (dabei werden die Blüten auf erstarrtes Fett gelegt, dieses nimmt nach einiger Zeit den Duft auf) und später durch Solventextraktion (hierbei wird das etherische Öl mit Hilfe von Lösungsmitteln aus der Pflanze geholt, in Alkohol gelöst und dann durch Destilation wird dann das Duftöl gewonnen). Die Beliebtheit von Veilchenparfum erreichte ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert, an dessen Ende man auch schon künstliche, nach Veilchen duftende Stoffe kannte. Die Gewinnung von Veilchenduftöl ist längst nicht so ertragreich wie zum Beispiel die von Lavendelöl. Deswegen ist das Öl heutzutage sehr teuer.

    Heute werden noch in Italien und Frankreich Veilchen zur Gewinnung von Duftstoffen angebaut.

    Veilchenduft soll beruhigend wirken, nervenstärkend und harmonisierend. Er soll Aggressionen dämpfen und einem helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Am besten wird man ihn vermutlich "in Natura" schnuppern, das heißt auf einem Spaziergang oder im eigenen Garten!

    Zutaten:
    100 g Veilchenblüten, frisch gepflückt,
    80 ml Alkohol (50 %),
    100 ml destilliertes Wasser.

    Zubereitung
    Die frisch gepflückten Veilchenblüten (ohne Stängel) in ein bauchiges Glas- oder Porzellangefäß schichten, den Alkohol darübergießen und das Gemisch an einem dunklen Ort eine Woche lang stehen lassen.
    Dann durch einen Kaffeefilter geben. Den Sud mit destillierten Wasser aufgießen und gut durchschütteln. Fest verschlossen halten.

    Solches Veilchenduftwasser war im 19. Jahrhundert sehr beliebt, aber auch heute noch wirkt es sehr erfrischend (nicht trinken!).

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    VEILCHENBLAU

    Veilchen gibt es in Mischtönen zwischen Blau, Violett, Rosa und weiß, vereinzelt auch in Gelb.

    Lila, violett: Diese Farben vereinigen den Gegensatz von Rot (Ärger, Liebe, Feuer, Gefahr, Leidenschaft, Weibliches, Körperliches) und Blau (Treue, Männlichkeit, Kälte, Autorität, Geistiges, Himmlisches) und werden deswegen auch als Mischfarben oder Farben des Übergangs gesehen (Farbe der Seelenwanderung in der indischen Symbolik, als Mischfarbe der Geschlechterfarben heute auch Farbe der Frauen- und Schwulenbewegung).

    Als Naturfarben sind diese Farben sehr selten. So gilt Violett als Inbegriff des Künstlichen, Stilisierten, weshalb diese Farbe im Jugenstil sehr beliebt war.

    In alten Zeiten konnte die Farbe Purpur nur in einem sehr komplizierten Verfahren aus Meerschnecken gewonnen werden. Deswegen blieb sie lange Zeit nur reichen und wichtigen Leuten vorbehalten (im alten Testament werden purpurne Tempelvorhänge erwähnt, im alten Rom durfte nur Caesar einen Purpurmantel tragen und in der Kirche war die Farbe ebenfalls nur hohen Würdenträgern erlaubt).

    Blau: "Diese Farbe macht für das Auge eine sonderbare, fast unaussprechliche Wirkung...Wir sehen das Blau gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht." heißt es in Goethes Farbenlehre. Du kannst es fühlen, wenn du auf einer Wiese liegst und in den Himmel schaust, oder wenn du am Strand sitzt und auf das blaue Meer hinaus siehst. Gleichzeitig ist es die Farbe der Könige und der Macht. (Männliche Kinder werden auch heute noch gerne in Blau gekleidet...), es symbolisiert die Farbe des Himmels und der Unsterblichkeit..

    Weiß: ist die Farbe der Reinheit und Sauberkeit (weißer Kittel), Helligkeit, die Farbe steht für Ordnung und Vollkommenheit, Schutz, Einigkeit, Beruhigung, und Wohlbefinden., aber auch für den Tod (früher war Weiß die Trauerfarbe).

    Gelb: steht für Sonne und Heiterkeit. Es wirkt luftig, freundlich, optimistisch und regt den Geist an.

    Mehr über Farben gibt es bei http://www.farbenundleben.de/ (externer Link).

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    LIELBESVEILCHEN

    Das Veilchen als Liebespflanze - das hat eine lange Tradition!

    Bei den Hindus gilt das Veilchen als Phallus-Symbol.

    Im alten Griechenland hatte man schon richtige Veilchengärten, und Veilchen waren die "Blumen der Liebe". Ihr Duft sollte betörend wirken und so manch widerspenstige Dame zum Liebesspiel bewegen..

    Aus dem Frankreich des 19. Jahrhunderts gibt es eine romantische Geschichte über einen Mann, der eigens einen Veilchengarten anlegte, um seiner Geliebten jeden Tag einen Veilchenstrauß zukommen lassen zu können - und das 30 Jahre lang.

    Im Iran bezeichnet man Veilchen als Vorbote (Liebesahnung) der Rose (Liebeserfüllung).

    Bis heute gilt ein Veilchenstrauß als Liebespfand,.sie werden auch als Symbol für junge oder sogar heimliche Liebe angesehen.. In der Blumensprache bedeuten Veilchen: "Nichts ist süßer, als die verborgene Liebe".

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    VEILCHENZAUBER

    Veilchenblätter sollen vor Unheil bewahren und Glück bringen. Außerdem sollen sie helfen. Liebe zu erringen. erotisch anturnen, sie haben heilende Kräfte und sollen sie hilfreich sein bei der Erfüllung von Wünschen.

    Zusammen mit Rosen, Apfelblüten, Lavendel wurden Veilchen in Liebestränken verwendet.

    Die ersten drei Veilchenblüten, die man im Frühling entdeckt, sollte man essen, denn dann, so heißt es, ist man das ganze Jahr über gefeit gegen Krankheiten aller Art.

    Garantiert wirkt folgender Zauber: Ein Veilchen pflücken, die Augen schließen und daran riechen ... aaaah...

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    HEILEN MIT VEILCHEN

    Kränze aus Veilchenblüten sollen bei bei den alten Griechen Kopfschmerzen (besonders nach Trinkgelagen) und Einschlafschwierigkeiten bekämpfen und Wut und Ärger abklingen lassen.

    Veilchentee hilft bei Hautunreinheiten (Umschläge und Waschungen), wenn man damit gurgelt, gegen Halsentzündungen, und wenn man ihn trinkt (mit Honig süßen!) gegen Erkrankungen der Bronchen.

    Veilchenessig soll gegen Kopfschmerzen wirken.

    Zutaten:
    2 bis 3 Handvoll Veilchenblüten
    1 Flasche Weißweinessig

    Zubereitung

    Den Essig mit den Veilchenblüten in einer Glasflasche ansetzen und verkorken. Dann eine Woche in die Sonne oder an den warmen Ofen stellen. Abseihen.

    Dosierung: 1 TL auf ein kleines Glas Zuckerwasser.

     

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    VEILCHENLEGENDEN

    Der Legende nach war das Veilchen ursprünglich eine Tochter des Atlas. Sie war so schön, dass sich der Sonnengott in sie verliebte und sie mit unerwünschten Zuwendungen verfolgte. Sie wusste sich seiner nicht länger zu erwehren, und so bat sie schließlich Zeus um Hilfe. Er verwandelte das Mädchen in eine Blume, das Veilchen, das seitdem als Symbol versteckter Schönheit im Verborgenen blüht.

    In den deutschen Sagen und Märchen ist das Veilchen, wie auch andere Frühlingsblumen oft "die Wunderblume", die verborgene Schätze anzeigt.Eine besonders hübsche Sage erzählt von der Tochter des slawischen Gottes Czernebog (oder Tschernebog), die das ganze Jahr über als Veilchen verzaubert irgendwo schläft. Alle 10 Jahre in der Walpurgisnacht kann ein Mann die Jungfrau wecken, wenn er just dieses Veilchen pflückt. Er bekommt dann das Mädchen zur Frau und dazu alle ihre Schätze.

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    Bilder:

    Das Titelbild ist eine Illustration von dem schwedischen
    Botaniker Carl Axel Magnus Lindman (1856 - 1928),
    "Luktviol, Viola odorata L."

    Das Hintergrundveilchen stammt aus einem Bild von
    Albrecht Dürer (1471—1528), es heißt
    "Veilchenstrauß"

    Veilchenlinks:

    Rezept für Veilchentorte: http://www.naturkost.de/rezepte/bio/Kuchen/Gebaeck/Veilchentorte.htm (externer Link)

    Noch mehr Veilchenrezepte gibt es hier:
    http://www.chefkoch.de/rs/s0/veilchen/Rezepte.html (externer Link)

    Sonstige Links:

    Mehr über Farben gibt es bei http://www.farbenundleben.de/ (externer Link)

     

     

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