So zum Exempel hat uns der heurige Winter unter der Maske des Frühlings mal wieder recht gründlich zum besten gehabt. Auch ich Trottel deckte natürlich die Rosen auf. Sofort über Nacht kam der eisige Ostwind daher und zerzauste sie dermassen, dass ihnen die Ohren herunterhingen wie alter Tobak. Zum Glück besitzt all das Zeug eine notwendige Hartnäckigkeit, die, mit einigen wehleidigen Ausnahmen, auf das Schlimmste gefasst und gerüstet ist.

Wilhelm Busch

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Man nennt sie auch die "gestrengen Herren" oder die "Eismänner": die fast jedes Jahr stattfindende Kälteperiode im Mai, an denen sogar noch Nachtfröste stattfinden können. Wie andere regelmäßig stattfindende Wetterphänomene (zum Beispiel Aprilwetter, Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter) gehen auch die Eisheiligen zurück auf jahreszeitliche Veränderungen der globalen Zirkulation zurück.

Im Frühjahr erwärmt die zunehmende Sonneneinstrahlung die Landmassen und die Meere der Erde auf unterschiedliche Art und Weise. Es bildet sich ein Hoch über Großbritanien oder Skandinavien heraus. Dadurch kommt es zu einer Veränderung der Luftströmungen: Es entsteht eine Westwindlage, die den ganzen Sommer über anhält. Im Verlaufe dieser Umstellung gelangt mehr oder weniger regelmäßig kalte Polarluft nach Europa, was dort zu einer Kälteperiode führt.

Die Menschen haben dieses Phänomen, das früher wohl noch mit größerer Regelmäßigkeit aufgetreten ist, schon sehr lange beobachtet und in den "Bauernregeln" festgehalten (Siehe unsere Seite Bauernregeln). Auch heute noch richten sich die meisten Gärtner danach und bringen empfindliche Pflanzen erst nach den Eisheiligen ins Freie.

In der heutigen Zeit tritt das Phänomen allerdings nicht mehr so regelmäßig auf. In den letzten Jahren war es sogar oft während der Eisheiligen gerade besonders warm! Wenn Kälteeinbrüche denn überhaupt stattfinden, dann kommen sie für die Eisheiligen meistens zu spät, Das kommt durch die Kalenderreform Papst Gregor VIII. von 1582, die die "Eisheiligen"-Tage jetzt ungefähr 5 Tage früher stattfinden lässt als zuvor.

Übrigens gab es in Ulm auch 2003 anlässlich der "kalten Sophie" um den 15 Mai Tiefsttemperaturen von immerhin nur 2° C, wie man hier (auch für andere Städte) nachgucken kann: http://www.wetteronline.de/

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Pankrazi (12. Mai), Servazi (13. Mai), Bonifazi (14. Mai)
sind drei frostige Stazi,
und zum Schluß fehlt nie
die kalte Sophie (15. Mai)!

So heißt es, und im Norden kommt noch der heilige Mammerz (11. Mai) hinzu, während Sophie unter den Tisch fällt.

Die gestrengen Herren:

Der heilige Mammertus oder Mamertus
(* 400, † 475)

Er entstammte einer wohlhabenden gallischen Familie aus Lyon. Gelebt hat er in Vienne (Frankreich), wo er Bischof war. Er soll sich um die Bittgangsprozessionen vor Himmelfahrt verdient gemacht haben.

Während seiner Amtszeit soll er durch Beten einer furchtbaren Feuersbrunst Einhalt geboten haben, die die ganze Stadt zu zerstören drohte, und auch sonst noch allerlei Wunder und Heilungen bewirkt haben.

Er wird im Bischofsornat dargestellt, mit einem brennenden Licht zu Füßen des Kreuzes.

Er ist der Patron der Hirten und der Feuerwehr und soll beistehen bei Dürre, Fieber und Brusterkrankungen.

Sein Tag ist der 11. Mai.

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Der heilige Pankratius
(*290 in Phrygien, † 304 in Rom)

Im Alter von 9 Jahren soll er als Waise nach Rom gekommen sein und dort bei seinem Onkel gelebt haben. Mit seinem ererbten Vermögen hat er verfolgten Christen geholfen. Nach dem Tode seines Onkels wurde er Schon mit 14 Jahren, so heißt es, soll er während der Diokletianischen Christenverfolgung enthauptet worden sein, weil er sich nicht vom Christentum abbringen ließ. Eine reiche Römerin, so heißt es, habe seinen Leichnam geborgen und bestatten lassen. An seinem Grabe sollen sich bald darauf verschiedene Heilungen zugetragen haben. Seit dem 5. Jahrhundert wird er verehrt.

Er wird als junger Ritter dargestellt.

Er ist der Patron der Erstkommunianten, der jungen Pflanzen und Blüten. Er soll helfen bei Ekzemen, Krämpfen, Kopfschmerzen und gegen Meineide.

Sein Tag ist der 12. Mai.

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Der heilige Servatius
(*irgendwann im 3. Jahrhundert, † 403)

Er war Bischof von Tongern (Belgien). Man erzählt sich viele Legenden über ihn, so hat er angeblich seine Bischofswürde direkt von einem Engel empfangen, und wenn er predigte, so sollen das alle seine Zuhörer in ihrer Muttersprache verstanden haben. Auf einer Pilgerfahrt nach Rom soll ihn ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln vor Sonnenbrand bewahrt und überdies mittels Steinwürfen ihn angreifende Hunnen vertrieben haben. Außerdem hat er angeblich einen Einfall der Barbaren vorausgesagt, wodurch seine Verehrung erheblich zu nahm. Sein Grab in Maastricht (Niederlande) wurde zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Mittelalters.

Dargestellt wird Servatius als Bischof, manchmal mit Brille (!), oft im Kampf mit einem Drachen, oder als schlafender Pilger mit einem Adler.

Er ist Patron der Schlosser und Tischler und soll bei Rheuma, Fieber, Fußkrankheiten von Mensch und Vieh, Frost, Mäuse- und Rattenplagen helfen und allgemein für gutes Gelingen sorgen.

Sein Tag ist der 13. Mai.

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Der heilige Bonifatius
(* 3. Jahrhundert, † 306)

Es heißt, er habe eine wilde Jugend verbracht, und er blieb sein Leben lang überzeugter Junggeselle.

Von Rom aus soll er im Auftrag einer reichen Römerin in Tarsus (kleinasien) nach christlichen Reliquien gesucht haben und dabei die Christenverfolgungen unter Kaiser Galerius miterlebt haben. Dadurch soll er zum christlichen Glauben konvertiert sein. Als er Christen verteidigen wollte, die wegen ihres Glaubens gefoltert werden sollten, wurde er selbst gefangen genommen und erlitt durch siedendes Pech den Martertod.

Dargestellt wird Bonifatius sowohl als Jüngling als auch als bärtiger Greis, und als Märtyrer in siedendem Pech.

Sein Tag ist der 14. Mai.

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Die kalte, schmutzige oder auch böse Dame:

Die heilige Sophia, auch Sophia von Rom
(* 3. Jahrhundert, † ~ 304)

Sie soll wegen ihres Glaubens unter Diokletian den Martertot erlitten haben. Sie wurde in Rom bestattet, Teile ihrer Reliquien liegen aber inzwischen in Straßburg.

Dargestellt wird "Sophie" als junge Frau mit Palme, Trog und Buch oder Schriftrolle, manchmal auch mit einem Schwert.

Sie ist Patronin für das Wachsen und Gedeihen der Feldfrüchte und soll gegen Spätfröste helfen.

Ihr Tag ist der 15. Mai.

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Für die Bauern früherer Zeiten konnte das Wissen über die Wetterlagen besonders wichtig sein. Durch jahrhundertelange Erfahrungen weiß man, dass im Mai häufig noch einmal ein Kälteeinbruch erfolgt, der für zu früh ausgebrachte Saaten gefährlich werden kann. Und so haben sich für diese Zeit auch diverse Bauernregeln heraus gebildet. (Die armen Märtyrer, deren Namen für diese Zeit herhalten müssen, sind nachweislich völlig unschuldig daran ;o) )

Pankratius und Servatius bringen oft Kälte und Verdruss

Pankratz und Servaz sind zwei böse Brüder,
was der Frühling gebracht, zerstören Sie wieder.

Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei,
ist nicht sicher vor Kälte der Mai

Wenn's an Pankratius friert, so wird im Garten viel ruiniert

Pankraz hält den Nackensteif, sein Harnisch klirrt von Frost und Reif

Servaz muss vorüber sein,
willst vor Nachtfrost sicher sein

Vor Servaz kein Sommer, nach Servaz kein Frost

Nach Servaz findet der Frost keinen Platz

Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost

Sophie man die Kalte nennt, weil sie gern kalt` Wetter bringt.

Wer seine Schafe scheret vor Servaz,
dem ist die Wolle lieber als das Schaf.

Die drei Herren auf -azius ,
machen oft Gärtnern und Winzern Verdruß.

Mehr über die bäuerlichen Wetterregeln gibt es auf unseren Seiten:
Bäuerliche Wetterregeln

Ein steirischer Bauernkalender aus dem 18. Jahrhundert warnt ebenfalls davor, während der Eisheiligen im Garten zu säen, die Schafe zu scheren, das Vieh auf die Weide zu bringen und empfindliche Pflanzen ins Freiland zu setzen.

In den Wein- und Obstanbaugebieten, wo die späten Nachtfröste bei den austreibenden Pflanzen große Schäden anrichten konnten, hielt man im Mai oftmals Frostwachen ab. Wenn es zu einem Kälteeinbruch kam, versuchte man, die Reben und blühenden Bäume durch "Reifheizen" die Reben zu schützen: man zündete Feuer mit frischem Holz und Laub an, die viel Rauch erzeugten. Dieser sollte sich über Blüten und Triebe legen und die Fluren vor den niedrigen Temperaturen bewahren. Auch heute noch wird nach Möglichkeiten gesucht, die Pflanzen vor Kälteschäden zu bewahren. So ist es üblich, Pflanzen mit Stroh zu umwickeln, sie bei Frostgefahr zu beregnen, um die Blüten mit einem schützenden Eismantel zu umgeben, oder auch durch speziellen Schnitt den Schaden in Grenzen zu halten.

Auch im Garten sollten man die Gefahren der Eisheiligen nicht unterschätzen. Wer schon vor dem Durchzug der "Rauhen Gesellen" empfindliche Pflanzen ins Freie bringt, sollte wenigstens Vlies und Folie bereitlegen, um sie bei nächtlichen Kälteeinbrüchen zu schützen. Kübelpflanzen kann man ins Haus bringen oder notfalls ans Haus rücken und mit einem Bettuch abdecken. Wer ganz sicher gehen will, sollte aber auch heute noch bis Mitte oder gar Ende Mai abwarten.

Was man schon vor den Eisheiligen pflanzen und sähen kann, und womit man lieber noch warten sollte, kann man hier erfahren:

http://www.donnerwetter.de/agrar/tip.mv

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Bilder:

Das Titelbild ist im Original von
John William Waterhouse (1849-1917). Es heißt "Boreas".

Die Heiligenbilder stammen aus dem Internet.

Externe Links auf dieser Seite:

 

Die Eisheiligen und ihr Wetter in verschiedenen Jahren kann man hier nachgucken:
http://www.wetteronline.de/

Was man vor den Eisheiligen sähen und pflanzen kann, und womit man lieber noch warten sollte:
http://www.donnerwetter.de/agrar/tip.mv

 

 

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