WILDE
WEIBER
Berchta
oder Perchta: Viele Historiker
sind der Ansicht, damit sei ursprünglich eine germanische Göttin gemeint,
die für Fruchtbarkeit und Wetter zuständig war. Man kennt sie auch als
Hulda, Holda, Frau Holle, Frau Gode, Frigg oder auch Freya, und sie führt
mit ihrem Gatten Wotan die Wilde Jagd an, ein Geisterheer, dass nächtlings
mit Jagdrufen und Hundegebell durch die Lüfte brausen soll. Neben dieser
finsteren, bedrohlichen Seite hat sie auch eine lichte, denn sie ist die Beschützerin
der Mütter und der Kinder.
Diese
guten und bösen Anteile zeigen sich auch in den unterschiedlichen Gestalten,
die sie in den heutigen Weihnachtsbräuchen hat.
Lucia:
hat vermutlich um 280 herum in Syrakus (heute Syracuse,
Italien) gelebt. Sie soll als Märtyrerin gestorben sein, nachdem ein abgewiesener
Freier sie verraten hat.
Besonders
in Schweden ist der Luciatag ein besonderer Feiertag. Die älteste Tochter
des Hauses, weiß gewandet und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf (heute
meistens elektrisch), bringt als Luciabraut den Eltern und Geschwistern das Frühstück
ans Bett. In den Städten und Dörfern wird unter den schönsten Mädchen
die Lucienbraut gewählt, und ihr Licht zeigt, dass der Advent begonnen hat.
Befana:
eine freundliche Hexe aus Italien. Sie fliegt auf ihrem
Besen in der Nacht von 5. zum 6. Januar von Haus zu Haus und beschenkt die Kinder.
Angeblich tut sie dieses, weil sie mit ihren Gaben zu spät zur Krippe gekommen
ist und nun hofft, eines der beschenkten Kinder sei das Jesuskind. Ihr Name ist
vermutlich vom Epiphania-Fest (Fest der Erscheinung des Herrn) abgeleitet, das
in manchen Ländern am 6. Januar gefeiert wird.
Früher durften Frauen an "Maria Empfängnis" nicht arbeiten.
Wenn es Frauen doch taten, erschien die Weiße Frau und schreckte
sie davon ab.
Die
Märtesberta bedroht
Kinder die nicht essen wollen, vor allem in Oberfranken. Den Bauch würde
sie ihnen aufschlitzen und mit Heu füllen, so hieß es.
Etwas
weniger brutal ist das Mehlweiberl, das in der Gegend um Kötzting
sein Unwesen treibt und Kindern bei hereinbrechender Dunkelheit auflauert um sie
mit Mehl zu bestäuben.
Budelfrau,
Budelmutter, Busebrecht, Berchtel, Hullefrau, Hullapöpel, Schiache Perchta,
Stutenfrau, Lutzelfrau, Lussibrud, Lucienbraut, Butzenlutz, Lucka oder auch Lutscherl:
Oftmals vermischen sich in diesen wilden
Weibern die Aspekte von Lucia und Berchta zu mehr oder weniger schönen oder
furchterregenden Gestalten, die schlampige Mägde und ungezogene Kinder bedrohen,
aber auch geordnete Verhältnisse mit kleinen Gaben belohnen können.
Manchmal begleiten sie den Nikolaus, oder sie ziehen auch eigenständig durch
die Straßen.
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WILDE
KERLE
Auch
diese sind oft Begleiter des Nikolaus und übernehmen, quasi als gezähmter
Teufel (so sehen sie meist auch aus: in Felle oder Stroh gekleidet, oft mit furchteinflößenden
Masken), die Bestrafungsaktionen. Dazu gehören Rauher Percht
(aus dem sich Knecht Ruprecht entwickelt hat), Düvel, Bock, Krampus,
Klabauf, Rauteufel oder auch Beelzebub.
Andererseits
hat auch der Nikolaus selber, je nach Landstrich, verschiedene Namen, man kennt
ihn als Sünnerklas, Zinterklas, Nickel,
Klos, Pelznickel, Klasbur, Aschenklas, Rugklas, Schimmelreiter.
Was war wohl zuerst - Gestalt oder Name?
Pelzmärte:
zog in Schwaben in den sogenannten Fahr- oder Klöpflnächten
herum, erschreckte Kinder und beschenkte sie mit Äpfeln und Nüssen.
Hans
Trapp: soll
als "Hans von Dratt" wirklich im 16. Jahrhundert einmal gelebt haben
und als Hofmarschall seine Bauern drangsaliert haben. Nun ist er im Südwesten
Deutschlands zum Kinderschreck geworden und ist auch im Elsass der dunkle Begleiter
des Christkinds, in Fellkleidern mit einer Kette um den Bauch, mit schwarzem Gesicht
und mit einer Rute ausgestattet. Er verrät dem Christkind, wer nicht brav
gewesen ist, aber dieses verzeiht den Kindern doch immer, und die Bescherung kann
beginnen.
Der
heilige Petrus und Ruprecht:
vermummte junge Burschen, in Fell und Stroh, mit Kette und Rute,
die im Erzgebirge Äpfel und Nüsse zu den Kindern bringen.
Die
meisten Nikolausbegleiter treten auch gehäuft in regelrechten Umzügen
auf, die sehr an die Narrensprünge der allemanischen Fasnacht erinnern, so
findet man Krampusgruppen, Perchten
und ähnliche. Deren Masken sind heutzutage nicht mehr selbst gemacht,
sondern werden von Maskenschnitzern kunstvoll geschnitzt und bemalt. In Norddeutschland
sind in der Nikolausnacht auch ganze Nikolausgruppen (in Schlesien nennt man sie
Nachtnikoläuse) unterwegs, verkleidete Kinder, die in den Geschäften
um Süßigkeiten betteln:
Ick
bünn 'n lütten Könich,
giff mi nich to wenich,
lot mi nich
so lange stohn,
denn ick mutt noch wiedergohn!
Werre
nennt man eine furchterregend
vermummte Begleitfigur in der Vorweihnachtszeit, die vorwigend vor allem im süddeutschen,
österreichischen und schweitzer Raum auftrat.
Im
Bayrischen Wald waren früher am Abend des 6. Dezember die Wilden Niklo
unterwegs, wilde Gesellen, gekleidet in rote oder schwarze Mäntel
mit Pelzkrägen, mit Masken oder einem schwarzen Strumpf über dem Gesicht,
die in der Dunkelheit mit viel Lärm durch die Straßen zogen und Kinder
erschreckten.
Den
Julbock kennt man in einigen Dörfern in Schleswig Holstein: Zusammen
mit einigen eben so verwegenen Begleitern zieht er mit Hörnern und in Fell
gekleidet, durch das Dorf und fordert Geschenke ein.
Der
Guruz kommt aus dem Bayerischen Wald: Er hockte gerne in der Küche
in der warmen Ecke am Ofen und verdarb Lebensmittel.
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ALTE
BRÄUCHE ODER NEUE FOLKLORE?
Seit
Mitte der 70er Jahre haben alle diese Bräuche einen enormen Aufschwung erfahren.
Einige dieser gruseligen Gestalten lassen sich wohl zurück führen auf
die alten heidnischen Götter, doch ob das damit zusammenhängende Brauchtum
auch tatsächlich schon so alt ist, darüber streiten sich die Fachleute.
Sicher ist, dass die meisten von ihnen schon im Mittelalter verbreitet waren und
dass sämtliche Verbote nichts nützten!
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Grafiken:
Grafiken: Die Rabenfrau
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Dirty Headline, Petra Script