Es begab sich aber zu der Zeit... - Wirklich?

Ist Jesus wirklich am 25. Dezember im Stall in Bethlehem geboren?

 

Hans Schäufelein (~1480 bis ~1540): Marien- und Passionsaltar
Flügel: Geburt Christi
 

Jeder kennt sie wohl, die Geschichte von Maria und Josef und dem Christuskind in seiner Krippe:

"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die aller erste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens."

So steht es geschrieben im Evangelium des Lukas in unserer Bibel. Aber hat es sich wirklich so zugetragen? Und wann denn überhaupt? Tatsächlich vor etwa 2000 Jahren, im 1. Jahr unserer Zeitrechnung?

INHALT:

Seitenende

 

JESUS GEBURTSTAG


William-Adolphe Bougereau (1825-1905)
"Le chant des anges"

Vor 2000 Jahren wurde Jesus Christus von der Jungfrau Maria unter dem Stern von Bethlehem in einem Stall geboren, und Weihnachten ist sein Geburtstag. Basta! Wirklich?

Dass Jesus eine wirkliche, historische Person war, wird auch von ernsthaften Forschern inzwischen nicht mehr angezweifelt. Er findet auch in außerbiblischen Quellen Erwähnung, zum Beispiel bei Tacitus, einem römischen Geschichtsschreiber aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der von einem gewissen Christus erzählt, der unter Tiberius von Pontius Pilatus hingerichtet worden sein soll. Auch andere Quellen erwähnen Jesus als Religionsgründer.

Schwieriger wird es, den Zeitpunkt festzulegen, an dem er geboren ist.

Die Evangelien, die vom Leben Jesu erzählen, sind keine Originalaufzeichnungen von Augenzeugen, sondern wurden erst 60 bis 100 Jahre nach Chr. niedergeschrieben. Allenfalls sind sie Zusammenstellungen älterer Texte unterschiedlicher Herkunft, vielleicht auch um durch mehrere Generationen übertragene mündliche Berichte. Zudem wurde vermutlich die Wirklichkeit auch manchmal ein wenig angepasst, damit sie zu den Voraussagen im alten Testament der Bibel passte.

Dennoch erwähnen sie verschiedene Personen, die wirklich gelebt haben und sich heute historisch genau einordnen lassen:

  • Augustus, 27 v.Chr. bis 14 n.Chr.
  • Herodes,der allerdings schon 4 Jahre vor Chr. gestorben sein soll
  • Quirinius, der tatsächlich Statthalter in Syrien war, wenn auch in Wirklichkeit erst 6 Jahre n. Chr.

Nun ja, die Daten widersprechen der bekannten Weihnachtsgeschichte schon ein wenig, aber immerhin engt sich der Zeitraum nun ein von mindestens 4 Jahre "v. Chr" bis etwa 6 "n. Chr."

Mehr über Augustus:

http:www.waldgirmes.de/roemer/ augustus.htm

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UND SIE FOLGTEN EINEM HELLEN STERN...


Mosaik in der Kirche San Apolonia in Ravenna

Jeder kennt wohl auch die Geschichte der heiligen drei Könige, die einen neuen Stern am Himmel entdeckten, diesem folgten und schließlich bei Jesus an der Krippe ankamen. Vermutlich waren es allerdings keine Könige, die da durch das Land gezogen sind, sondern "Magi", wie es eigentlich im griechischen Originaltext heißt, das bedeutet irgend etwas zwischen Magier, Philosoph, Sterndeuter, Weiser, und das war damals ein angesehener Berufsstand.

Dass sich solche Leute aus gegebenem Anlass auf den Weg machten, um ihre Erkenntnisse zu prüfen, vielleicht auch, um einen neuen König zu begrüßen, war damals durchaus üblich. Ein ähnliches Ereignis ist bezeugt über Nero aus dem Jahr 66 n. Chr., dem Geschenke und Grüße von König Tridates von Armenien überbracht wurden.

Nun hat man versucht, das astronomische Ereignis zu identifizieren, was die Weisen aus dem Morgenland (vermutlich Sterndeuter aus Syrien) dazu bewogen hat, nach Bethlehem zu kommen, und den neuen König der Juden zu suchen. Inzwischen gibt es ja mehrere Deutungen:

  1. Der Stern von Bethlehem war ein Ufo
    Och neeee!
  1. Ein neuer Stern war aufgegangen
    Diese Theorie wird wohl von niemandem mehr Ernst genommen.

  2. Der Stern war ein Komet
    Kometen wurden früher allgemein als Unglücksboten gesehen, weshalb ein solcher eigentlich nicht als Zeichen für die Geburt eines Königs angesehen worden sein kann.


  3. Der Stern war eine Supernova
    Soweit man heute weiß. war in dem Zeitraum von Christi Geburt keine Supernova am Himmel zu sehen.

  4. Der Stern war kein Stern sondern ein astronomisches Ereignis
    Heute glauben die meisten Wissenschaftler, dass es kein Stern war, der die Weisen nach Bethlehem gelockt hat, sondern eine bestimmte Planetenkonstellation, die damals als Sinnbild für einen neuen König stand. Damals gab es eine dreifache Planetenkonjunktion von Jupiter und Saturn zu sehen. Wenn diese das Zeichen gewesen ist, wäre Jesus entweder am 15. März, am 20. Juli oder am 12. November des Jahres 7 v. Chr. geboren.

    Der amerikanische Physiker Michael Molnar meint, es sei noch eine andere Sternenkonstellation gewesen, die Jupiter, die Sonne, Mars, Venus, Saturn, Merkur und den Mond mit einbezieht. Er datiert die Geburt Jesu damit auf den 17. April im Jahre 6 v. Chr.
Genaueres über den Stern von Bethlehem
könnt ihr auf den Sternenseiten vom Rabenmann lesen:

Das Dreikönigslied von Heinrich Heine gibt es hier: http://members.eunet.at/speaker/weihnach/texte/weisen.htm

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IN BETHLEHEMS STALL:


Eingang der Geburtskirche in Bethlehem

Vermutlich hatte Bethlehem um die Zeit von Jesu Geburt herum ungefähr 1000 Einwohner (heute ca. 25.000). Die Leute dort waren vorwiegend Bauern, und es gab auch Vieh. Die Ställe befanden sich, das weiß man durch Ausgrabungen, im Untergeschoss der Häuser. Manche Häuser hatten auch an der Rückseite kleine Höhlen, in die man in der kalten Jahreszeit nachts die Tiere brachte. Mag sein, dass einer jungen Familie wirklich ein solcher Stall als Unterkunft diente, nachdem sie "sonst keine Herberge" gefunden hatte. Aber jedenfalls lag er dann wohl nicht romantisch und einsam irgendwo auf freiem Felde, sondern mitten in der Stadt, vielleicht im Keller eines Wohnhauses. Tatsächlich verehrt man als Geburtsort Christi ja auch eine Grotte im Untergeschoss der heutigen Geburtskirche in Bethlehem.

Ob aber Jesus tatsächlich in Bethlehem geboren ist oder vielleicht doch in Nazareth, der Heimatstadt von Josef und Maria, darüber sind sich die Forscher nicht einig. Römische Steuerschätzungen, die damals üblich waren, wurden eigentlich immer am WOHN-ort vorgenommen und erforderten keine Völkerwanderungen. Außerdem waren Maria und Josef ja Juden und unterlagen deswegen eigentlich gar nicht dem römischen Steuerrecht und hätten deswegen auch nicht gezählt werden müssen. Eventuell hat Lukas da ein wenig die Geschichte gebeugt, damit sie zu den bekannten Voraussagen passte.

Das Lied "Ihr Kinderlein, kommet"
gibt es hier:
http://www.christkindlesmarkt.de/festliches/lied_ihrkindr.html

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MITTEN IM KALTEN WINTER


Scheune im Winter, Grafik von der Rabenfrau

Nun, so ganz kann das nicht stimmen, denn: "... es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde", so heißt es jedenfalls in der Bibel. Das ist eher unwahrscheinlich, wenn Jesus tatsächlich im Winter geboren ist. Denn auch in Bethlehem wird es im Winter so kalt, dass die Tiere des nachts in die Ställe gebracht werden müssen. Wenn also die Herden tatsächlich auf den Feldern waren, hat die Geburt vermutlich eher in der wärmeren Zeit von März bis November stattgefunden. Vielleicht hat der amerikanische Physiker Michael Molnar, der sich überlegt hat, welche astrologischen Ereignisse wichtig gewesen wären für Sterndeuter aus dem Morgenland, also mit seinem 17. April 6 v. Chr., an dem am Himmel anscheinend diverse astrologisch bedeutsame Anzeichen zu sehen waren, tatsächlich Recht!

Hier kann man Näheres über Michael Molnar und andere
Theorien zum Stern von Bethlehem erfahren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Stern_von_Bethlehem

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WARUM DENN NUN DER 24./25. DEZEMBER?

Das Geburtsdatum Jesu steht nicht in der Bibel, auch die frühen Christen haben es nirgends erwähnt. Es war ihnen auch gar nicht wichtig.

Aber schon im 2. Jahrhundert versuchte man, das Datum zu berechnen. Wichtig dafür war die Frühlings-Tag-und-Nachtgleiche am 25. März, die auch als Tag von Jesu Empfängnis und Kreuzestod galt. Julius Sextus Afrikanus beschrieb das in seinen Chronologien, die von der Erschaffung der Welt bis 221 n. Chr. reichten. Wenn man von einer Schwangerschaftsdauer von exakt 9 Monaten bei Maria ausgeht (denn natürlich war Mariens Schwangerschaft perfekt), ergibt sich der Geburtstermin 25. Dezember. Es gab jedoch auch andere Lesearten, nach denen Jesus am selben Tag geboren sein sollte wie sein Vorbild Isaak, nämlich am 14. Nissan des jüdischen Kalenders, d. h. Ende März oder Anfang April. In der altpalästinensischen Kirche gibt es Belege für Feiern am 25. Mai. Andererseits wurde auch schon einmal am 6. Januar Christi Geburt gefeiert! Epiphanias (Erscheinungsfest) ist das älteste, vom Datum her festgelegte Fest der christlichen Kirche. Inzwischen denkt man bei diesem Tage eher an den Besuch der Heiligen Drei Könige, doch ursprünglich feierte man die Taufe Christi, und damit auch seine Geburt, denn "Ich habe dich heute (nach der Taufe) geboren" steht in einer älteren Übersetzung des Mathäus-Evangeliums. Noch immer wird in manchen Ländern das Weihnachtsfest am 6. Januar gefeiert.

Ausdrücklich festgelegt wurde der 25. Dezember als Geburtstag Jesus Christus in den Chronographien des Furius Filocalus Mitte des 4. Jhdts. n. Chr in einem Verzeichnis römischer Konsuln, aus dem man auch erkennen kann, dass es damals ein liturgischer Festtag war. Wie lange vorher das Datum in der Kirche tatsächlich schon gefeiert wurde, ist nicht bekannt.

In dieser Zeit wurde nämlich in vielen Kulturen (bei den alten Ägyptern, den Indern, den Römern und den Germanen zum Beispiel) der Tag der Wintersonnenwende festlich begangen, man feierte überall die Wiederkehr des Lichtes. Die Kirche versuchte nun, diesen heidnischen Feiern etwas Christliches entgegen zu setzen, indem Jesus zum "Licht der Welt" und der 25. Dezember als Tag seiner Geburt definiert wurde. Allmählich fand diese Lehre überall Verbreitung. In Deutschland feiert man "festum nativas Christi" seit der Mainzer Synode 813 am 25. Dezember.

In Europa ist man nach der Reformation dazu übergegangen, schon am 24. Dezember den Heiligen Abend zu feiern. Jesus ist in der Nacht geboren, so heißt es in der Bibel, und man nahm an, das sei in der Nacht zum 25. Dezember geschehen. Daher wurden ursprünglich Mitternachtsmessen gefeiert, bis zu deren Beginn noch die vorweihnachtliche Fastenzeit andauerte. Mit der Zeit verlagerte sich die familiäre Feier und das Festessen auf den Abend davor, und auch die meisten Christmetten werden inzwishcen bereits am Abend abgehalten. Außerhalb Europas ist es aber weiterhin meistens üblich, erst am 25. Dezember zu feiern.

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DIE MEINUNG DER RABENFRAU:

Es sieht so aus, als ob wir den tatsächlichen Zeitpunkt, zu dem Jesus geboren ist, wohl niemals genau werden festlegen können. In der frühen Kirche war dieser Geburtstag auch überhaupt nicht so wichtig.

Eigentlich kommt es ja auch gar nicht darauf an, ob Jesus im Jahre 7 oder 3 "vor Chr." oder meinetwegen auch erst ein paar Jahre "nach Chr." geboren wurde. Vielleicht ist damals auch in Wirklichkeit gar kein besonderer Stern zu sehen gewesen, und Matthäus hat die Geschichte einfach ein bisschen verändert, damit sie zu den Voraussagen passte, die über die Geburt Jesu gemacht worden waren. "Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen" (4. Mose 2,10).

Wirklich wichtig ist doch, dass Jesus überhaupt in unsere Welt gekommen ist, als Kind einer Handwerkerfamilie, nicht von den "oberen 10.000" geboren, ganz am Rande der Weltgeschichte, nicht "mittendrin" in Jerusalem z. B., oder in Rom, einfach als, wie man so schön sagt, einer von uns! Und doch nennt man ihn den Sohn Gottes, denn er hat uns gezeigt, wie Gott für alle Menschen da ist und dass Hoffnung besteht, auch wenn der Lebensweg dunkel ist. Warum sollen wir nicht die Wiederkehr des Lichtes in unserer Welt als ein Symbol für ihn sehen? So steht auch heute noch der Stern der Weihnacht und damit auch die Sterne, die wir an unseren Weihnachtsbaum hängen, als Symbol für das Licht, das er in unsere Welt gebracht hat.

Auch eine Meinung zu Weihnachten gibt es z. B. hier:
http://www.perfekte-weihnachten.de/

GRAFIKEN:

Ilexzweig: Tube von der Rabenfrau nach einer alten Postkarte
Backgrounds: die Rabenfrau
Originalgemälde: Siehe Untertitel

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