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Märzveilchen Der
Himmel wölbt sich rein und blau, der Reif stellt Blumen aus zur Schau
Am Fenster prangt ein flimmernder Flor, ein Jüngling steht betrachtend davor.
Und hinter den Blumen blühet noch gar, ein blaues, ein lächelndes Augenpaar.
Märzveilchen, wie jener noch keine gesehn! Der Reif wid angehaucht zergehn.
Eisblumen fangen zu schmelzen an, und Gott sei gnädig dem jungem Mann! Adalbert
von Chamisso Seitenanfang 
Frühlingslied Zieht
der Frühling ein in unsre Straße, lockt er alle Kinder aus dem Haus. Und
am Himmel wie aus blauem glase Wollen Düsenjäger hoch hinaus. Weiße
Zeilen stehen hoch am Himmel, bunte Murmeln rollen durch den Sand. Ein
Gelächter ist und ein Gewimmel Wieder hier in unse4m Frühlingsland. Und
das Altjahr zieht mit seinen Resten Aus den Gärten fort als blauer Qualm,
Schöpfungstag in allen Buddelkästen! Und ich pfeife wie als Kind auf einem
Halm. Günther
Deicke Seitenanfang 
Frühlingsgruß Es
steht ein Berg in Feuer, In feurigem Morgenbrand, Und auf des Berges Spitze
Ein Tannbaum überm Land. Und
auf dem höchsten Wipfel Steh ich und schau vom Baum, O Welt, du schöne
Welt, du, Man sieht dich vor Blüten kaum! Joseph
von Eichendorff Seitenanfang 
Schneeglöckchen 's
war doch wie ein leises Singen In dem Garten heute nacht, Wie wenn laue
Lüfte gingen : Süße Glöcklein, nun erwacht,
Denn die warme Zeit wir bringen, Eh's noch jemand hat gedacht. "
- 's war kein Singen, 's war ein Küssen, Rührt' die stillen Glöcklein
sacht, Daß sie alle tönen müssen Von der künftgen
bunten Pracht. Ach, sie könntens nicht erwarten, Aber weiß
vom letzten Schnee War noch immer Feld und Garten, Und sie sanken um vor
Weh. So schon manche Dichter streckten Sangesmüde sich hinab,
Und der Frühling, den sie weckten, Rauschet über ihrem Grab. Joseph
von Eichendorff Seitenanfang 
Früher
Frühling Zwischen
Februar und März Liegt die große Zeitenwende, und, man spürt es allerwärts,
mit dem Winter geht's zu Ende. Schon beim ersten Sonnenschimmer Steigt
der Lenz ins Wartezimmer. Keiner weiß, wie es geschah, und auf einmal
ist der da. Manche Knospe wird verschneit Zwar im frühen Lenz auf Erden.
Alles dauert seine Zeit, nur Geduld, es wird schon werden. Folgt auch
noch ein rauher Schauer, lacht der Himmel um so blauer. Leichter schlägt
das Menschenherz Zwischen Februar und März. Fred
Endrikat Seitenanfang 
Frühling Nun
ist er endlich kommen doch in grünem Knospenschuh; "Er kam, er kam
ja immer noch", die Bäume nicken sich's zu. Sie
konnten ihn all erwarten kaum, nun treiben sie Schuß auf Schuß; im Garten
der alte Apfelbaum, er sträubt sich, aber er muß. Wohl
zögert auch das alte Herz und atmet noch nicht frei; es bangt und sorgt:
"Es ist erst März, und März ist noch nicht Mai." O
schüttle ab den schweren Traum und die lange Winterruh: es wagt es der
alte Apfelbaum, Herze, wag's auch du. Theodor
Fontane Seitenanfang 
Frühling
über's Jahr Das
Beet schon lockert Sich's in die Höh' Da wanken Glöckchen So weiß
wie Schnee; Safran entfaltet Gewaltg'e Glut, Smaragden keimt es
und keimt wie Glut. Primeln stolzieren So naseweis, Schalkhafte Veilchen
Versteckt mit Fleiß; Was auch noch alles Da regt und webt, Genug,
der Frühling Er wirkt und lebt. Johann
Wolfgang von Goethe Seitenanfang 
Erstes
Schneeglöckchen Verlassen
steht im Januar Das Weißhäuptlein, das kleine, Einsam an der
Südwand blüht Das Schneeglöckchen, das meine. Kein Bienchen
ist bei ihm, nicht eines Wagt sich zum Loch heraus. Nur ich besuch das
Frühlingskind, das mutige, vor meinem Haus. Josef
Guggenmos Seitenanfang 
Lyrisches
Intermezzo Im
wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen. Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen. Heinrich
Heine Seitenanfang 
Veilchenduft Der
Duft des Veilchen schwinget sich zart und lustbekommen über licht begrünte
Hecken, lockt dich, läßt dich näher kommen, spielt ein schelmisches Verstecken
löst in deinerSeele leise, eine lange her vergeßne, süße, dennoch unermeßne
heimatliche Liebesweise. Hermann
Hesse Seitenanfang 
Der
Frühling V Es
kommt der neue Tag aus fernen Höhn herunter, Der Morgen der erwacht ist
aus den Dämmerungen, Er lacht die Menschheit an, geschmückt und
munter, von Freuden ist die Menschheit sanft durchdrungen. Ein
neues Leben will der Zukunft sich enthüllen, Mit Blüten scheint,
dem Zeichen froher Tage, Das große Tal, die Erde sich zu füllen,
Entfernt dagegen ist zur Frühlingszeit die Klage. Friedrich
Hölderlin Seitenanfang 
Der
Lenz verschiebt seine Premiere Theater
unten und Theater oben: Erst kam die Sonne täglich zu den Proben, und
die Premiere war schon festgetzt. Da wurde sie (man kennt das ja) zuletzt Auf
gänzlich unbestimmte Zeit verschoben. Die
kleinen Sträucher stehn gekränkt im Garten. Komparserie muss eben
immer warten. Die Sonne, heißt es, sein indisponiert. Das Stück
vom Lenz wird später aufgeführt. Was machen wir nun mit den Eintrittskarten? Am
Himmel hingen schon die ersten Geigen. Die Veilchen übten sich schon im
Verneigen. Doch weil die Sonne noch nicht scheinen will, spielt man derweil
das alte Stück April - so einen Schmarren wagt man uns zu zeigen! Erich
Kästner Seitenanfang 
Das
Veilchen und der Schmetterling Ein
Veilchen auf der Wiese stand an Baches Rand und sandte ungesehen, bei
sanftem Frühlingswehen süßen Duft durch die Luft. Da
kommt auf schwankendem Flügel ein Schmetterling über den Hügel und senket
zur kurzen Rast zum Veilchen sich nieder als Gast. Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist, zu blühen, wo niemand dein genießt! Veilchen
Nicht ungenossen blüh ich hier, ein Schäfer kommt gar oft zu mir und
atmet meinen Duft und spricht: "Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wei Veilchen du! Auf Wiesen, Auen ist keines mehr wie du zu schauen!
Schmetterling
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort, zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt, als hier im dunklen Schattenzelt! Veilchen
Hier bin ich meines Schäfers Wonne, dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft, find ich zu früh dort meine Gruft, drum blüh
ich in der Einsamkeit, wenn auch nur Einer mein sich freut.
Nikolaus Lenau Seitenanfang 
Er
ist's Frühling
lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte, Süße, wohlbekannte
Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen
balde kommen. Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen! Eduard
Mörike Seitenanfang 
Im
Frühling Hier
lieg ich auf dem Frühlingshügel Die Wolke wird mein Flügel, Ein Vogel
fliegt mir voraus. Ach, sag mir, alleinzige Liebe, Wo du bleibst, dass
ich bei dir bliebe! Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus. Der
Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen, Sehnend, Sich dehnend
In Lieben und Hoffen. Frühling, was bist du gewillt? Wann werd ich gestillt? Die
Wolke seh ich wandeln und den Fluss, Es dringt der Sonne goldener Kuss
Mir tief ins Geblüt hinein; Die Augen, wunderbar berauschet, Tun, als
schliefen sie ein, Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet. Ich
denke dies und denke das, Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage. Mein Herz, o sage, Was
webst du für Erinnerung In golden grüner Zweige Dämmerung? Alte unnennbare
Tage. Eduard
Mörike Seitenanfang 
Frühlingsahnung Rosa
Wölkchen überm Wald Wissen noch vom Abendrot dahinter - Überwunden ist
der Winter, Frühling kommt nun bald. Unterm Monde silberweiß, zwischen
Wipfeln schwarz und kraus flügelt eine Fledermaus ihren ersten Kreis... Rose
Wölkchen überm Wald Wissen noch vom Abendrot dahinter - Überwunden ist
der Winter, Frühling kommt nun bald. Christian
Morgenstern Seitenanfang 
Siehe,
auch ich - lebe Also
ihr lebt noch, alle, alle, ihr, am Bach ihr Weiden und am Hang ihr Birken,
und fangt von neuem an, euch auszuwirken, und wart so lang nur Schlummernde,
gleich - mir. Siehe,
du Blume hier, du Vogel dort, sieh, wie auch ich von neuem mich erhebe...
Voll innern Jubels treib ich Wort auf Wort... Siehe, auch ich, ich schien
nur tot. Ich lebe! Christian
Morgenstern Seitenanfang 
Frühling Frühling
ist wiedergekommen. Die Erde ist wie ein Kind, das Gedichte weiß; Viele,
oh viele ... Für die Beschwerde langen Lernens bekommt sie den Preis. Streng
war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße An dem Barte des alten Manns. Nun,
wie das Grüne, das Blaue heiße Dürfen wir fragen. sie kanns,
sie kanns! Erde,
die frei hat, du glückliche, spiele nun mit den Kindern. Wir wollen dich
fangen, fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts. O,
was der Lehrer sie lehrte, das Viele, und was gedruckt steht in Wurzeln und
langen schwierigen Stämmen: sie singts, sie singts! Rainer
Maria Rilke Seitenanfang 
Frühling Als
dann der Frühling im Garten stand, Das Herz, ein seltsam Sehnen empfand,
Und die Blumen und Kräuter und jeder Baum wachten auf aus dem Wintertraum,
Schneeglöckchen und Veilchen hat über Nacht der warme Regen ans Licht
gebracht, Aus Blüten und dunkler Erde ein Duft durchzog wie ein sanftes
Rufen die Luft. Percy
Bysshe Shelley Seitenanfang 
Lob
des Frühlings Saatengrün,
Veilchenduft, Lerchenwirbel, Amselschlag, Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich solche Worte singe, braucht es dann noch große Dinge, Dich zu
preisen, Frühlingstag! Ludwig
Uhland Seitenanfang |