Der Stern von Bethlehem

Was war der Stern von Bethlehem wirklich: ein Komet, ein neuer Stern, ein Ufo, eine Sternenkonstellation? Hier kannst du es erfahren!

 

 

Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wär wohl nie
dem Sternlein nachgereist wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.

Wilhelm Busch

INHALT:

Seitenende

WER WAREN DIE DREI KÖNIGE?

Ausschnitt aus der "goldenen Tafel"
Hochaltar der St. Michaeliskirche Lüneburg (15. Jhdt.)

Die drei Männer aus dem Morgenland, die dem Stern folgten, waren überhaupt gar keine Könige! Im griechischen Originaltext handelt es sich um "Magoi", weise Männer, die einen damals sehr angesehenen Beruf ausübten: Sie waren Sterndeuter, Magier und Philosophen gleichzeitig. Und das Morgenland? So nannte man damals Babylon, Mesopotamien und Arabien. Und mit Sicherheit hießen die drei nicht Caspar ("Schatzmeister"), Melchior ("Mein König ist Licht") und Balthasar ("Schütze sein Leben"). Diese Namen hat vermutlich der Volksglauben ihnen angedichtet. Es ist auch nicht einmal wirklich überliefert, dass es ihrer dreie gab, in alten Darstellungen dieses Ereignisses findet man zwei bis 10 "Magier" abgebildet.

Erst Kirchenvater Origines sprach ein Machtwort: Da die Weisen drei Gaben Mit sich brachten, mussten es auch drei Weise gewesen sein! Jeder der drei stand für einen der damals bekannten Erdteile, Afrika, Asien und Europa. Der Überlieferung nach ist Caspar schwarz, Balthasar gelb und Melchior weiß.

Sie machten sich also von ihrer fernen Heimat auf den Weg nach Palästina, weil sie am Himmel ein Zeichen gesehen hatten, das auf einen neuen Fürsten hin deutete. Vermutlich wollten sie ihre Erkenntnisse überprüfen, aber sie hatten auch Gaben dabei, die sie ihm überreichen wollten. In den alten Zeiten war so etwas durchaus üblich. Denn auch für Kaiser Nero wird aus dem Jahre 66 n. Chr. berichtet, dass König Tridates von Armenien ihm Geschenke und Grüße überbringen ließ.

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WELCHEM STERN SIND SIE GEFOLGT?


Ausschnitt aus: The Star of Bethlehem
von Sir Edward Burne-Jones (1833-1893)

Über das Himmelsereignis kursieren verschiedene, teilweise ziemlich fantastische Theorien.

  1. DER STERN VON BETHLEHEM WAR EIN UFO

    Ähh...

  2. DER STERN VON BETHLEHEM WAR EIN KOMET

    Die meisten Menschen bringen sicherlich den Halleyschen Kometen mit dem Stern von Bethlehem in Verbindung. Doch weiß man heute, dass dieser sich in dem Zeitraum, der für die Geburt Jesu angenommen werden kann, nicht in Erdnähe aufgehalten hat.

    Ein anderer Komet ist in dem fraglichen Zeitraum allerdings wirklich zu sehen gewesen, denn für das Jahr 5 v. Chr. bezeugen die Aufzeichnungen chinesischer Astronomen einen kleineren Kometen im Sternbild des Widder.

    Doch ist es wohl recht unwahrscheinlich, dass man ausgerechnet einen Kometen als Zeichen für die Geburt eines Königs angesehen haben soll, denn Kometen gelten schon von Alters her überall als schlechte Omen. "Die Heiden schreiben, dass Kometen von natürlichen Ursachen kommen, aber Gott schafft keinen, der nicht sicheres Unglück anzeigen würde." schrieb noch Martin Luther. Ein Unglücksbote kann wohl nicht der Weihnachtsstern gewesen sein.

  3. DER STERN VON BETHLEHEM WAR EIN NEUER STERN

    Wenn zu Christi Geburt ein auffälliger, neuer Stern am Himmel erschienen wäre, dann hätten sicher auch andere Leute davon gewusst und so ein Ereignis erwähnenswert gefunden.

  4. DER STERN VON BETHLEHEM WAR EINE SUPBERNOVA

    Wenn ein auf der Erde sichtbarer Stern sich plötzlich in eine Supernova verwandelte, dann wäre das schon ein bedeutsames Ereignis, das man wohl mit der Geburt eines Königs in Verbindung bringen könnte.

    Nehmen wir zum Beispiel Beteigeuze, zur Zeit ein "aussichtsreiches" Objekt für ein derartiges Geschehen. Wenn dieser Stern im Sternbild des Orion zu einer Supernova würde, könnte man die Explosion vermutlich sogar am Tage wahrnehmen, und sie wäre auch einge Zeit am Himmel zu sehen.

    Seit der Erfindung des Teleskops vor ungefähr 400 Jahren haben die Astronomen keine Supernova beobachten können. Sie haben allerdings Reste solcher Sternexplosionen ausfindig machen können, die sie mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen und so den Zeitraum feststellen können, an dem die Explosion statt gefunden hat. Bisher hat man für den Zeitraum um Christi Geburt keine solchen Überreste gefunden.

    Auch in den Aufzeichnungen der Astronomen im alten China, die ansonsten sehr zuverlässig sind, gibt es aber keinen Bericht über ein solches Ereignis. Es ist unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen, dass sie es übersehen haben.

  5. DER STERN VON BETHLEHEM WAR EINE HIMMELSERSCHEINUNG WIE DAS ZODIACALLICHT

    Das Zodiacallicht ist eine dreieckige Lichterscheinung, die durch die Streuung des Lichtes der Sonne durch erdnahen, interplanetaren Staub entsteht. Diese Lichterscheinung und auch andere Himmelserscheinungen wie Meteoriten oder Feuerkugeln können schon aufgrund ihrer örtlich begrenzten Sichtbarkeit nicht der Stern von Bethlehem gewesen sein. Außerdem sind sie extrem kurzlebig.


  6. DER STERN VON BETHLEHEM WAR NICHT WIRKLICH EIN STERN SONDERN EIN ASTRONOMISCHES EREIGNIS

    Schon im 8. Jahrhundert nach Christus hat der muslimische Astronom Masha'allah behauptet, der Stern von Bethlehem sei eine dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn gewesen. Der Deutsche Astronom Johannes Keppler kam im Jahre 1606 zum gleichen Schluss.

    Und tatsächlich existieren im Britischen Museum in London drei Tontafeln, auf denen in babylonischer Keilschrift von einer Konjunktion die Rede ist, und zwar sogar gleich drei Mal: am 15. März, am 20. Juli und am 12. November des Jahres 7 v. Chr! Nun war damals für die Astrologen das Ereignis an sich weniger wichtig als seine Deutung. Die Himmelsbeobachtungen spiegelten für sie immer reale Geschehnisse auf der Erde wider. Jupiter galt als "Herrscherstern", Saturn stand für die Juden. Das Ereignis fand statt im Sternbild der Fische, das für Palästina stand.

    Ergo war ganz deutlich, dass den Juden in Palästina ein neuer Herrscher geboren war.

    Auch der amerikanische Physiker Michael Molnar deutet den Stern von Bethlehem als astrologisch einzigartige Konstellation, meint aber, es habe sich dabei noch um etwas Anderes gehandelt: Am 17. April 6 v.Chr. hatte Jupiter (=König der Planeten) seinen heliakischen Aufgang (den ersten sichtbaren Aufgang vor der Sonne in der Morgendämmerung), stand zusammen mit der Sonne sowie Saturn (==> Jupiter und Saturn zusammen kündigen von der Geburt edler und guter Menschen), Mars (==> Zeichen für Streitbarkeit und Stärke), Venus (==> für Menschen, die von Gott geliebt werden) und Merkur (==> fördert fromme Menschen und Philosophen) am Himmel und wurde um 8 Uhr 25 morgens auch noch vom Mond bedeckt. Nach dem "Tetrabiblos" des griechischen Astronomen Ptolemäus, das damals für die Astrologen das maßgebliche Werk war, ist ein deutlicheres Zeichen für die Geburt eines Königs kaum vorstellbar. Wenn Molnars Annahme stimmt, kam Jesus exakt am 17. April 6 v. Chr. zur Welt.

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FAZIT

Wenn man alle diese Ereignisse in die Kalkulation einbezieht, hat Jesu Geburt wohl in einem Zeitraum zwischen 7 Jahre v. Chr bis ungefähr 6 Jahre n. Chr. statt gefunden. Welcher Stern damals tatsächlich den Weisen leuchtete, lässt sich heute nur schwer festlegen. Vielleicht hat es überhaupt keinen Stern gegeben, und Matthäus hat die Geschichte ein wenig umgedichtet, damit sie zu den Voraussagen im alten Testament passt.

Aber darauf kommt es letztendlich ja auch gar nicht an. Wichtig ist, dass Jesus überhaupt in unsere Welt gekommen ist. Nicht als Kind reicher Eltern ist er geboren, sondern in eine ganz normale Handwerkerfamilie hinein. Nicht in einem der damaligen Zentren kam er zur Welt, sondern in einem vergleichsweise winzigen Städtchen am Rand, quasi als "einer von uns". Und dennoch sagt man von ihm, er sei Gottes Sohn. Er hat uns gezeigt, dass Gottes Haus viele Wohnungen hat und dass Gott für uns alle da ist. Egal, wann Jesus nun wirklich geboren ist, ob er wirklich in einer Krippe gelegen hat und ob diese nun tatsächlich unter einem Stern gestanden hat, die Weihnachtssterne der heutigen Zeit stehen als Zeichen für ihn und das Licht, was er in die Welt gebracht hat.

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Für die Bastelanleitung für einen
ganz besonderen Stern (Fröbelstern)
hier klicken.

Eine Sternenkarten für die die Zeit von Jesus Geburt kannst du hier angucken:

http://home.t-online.de/home/Gerd.Freytag/stern_christi.htm#Geburtstag