Rabenurlaub An der Ostsee
Hier findest du einen Reisebericht über unseren Urlaub 2009 an der Ostsee


Juni/Juli 2009

Die erste Woche

Inhalt:

 

Sonntag, 28.06.09

Es geht los!

Nachdem wir am Samstag noch auf einer Geburtstagsfeier eingeladen waren, sind wir beim Packen diesmal ziemlich langsam und nachlässig gewesen. Erst um halb 4 Uhr nachmittags war dann endlich der Wohnwagen mehr oder weniger komplett und wir konnten los fahren. An diesem Tage kamen wir bis Würzburg-Estenfeld, wo sich ein winziger, netter Campingplatz im Gewerbegebiet fand.

Montag, 29.06.09

Würzburg-Lübeck

Um 8 Uhr gab es Frühstück mit Brötchen und sogar mit Zeitung, gegen halb 11 Uhr machten wir uns dann auf den Weg Richtung Lübeck. Kurz nach der Raststätte Göttingen, als die Rabenfrau sich gerade ein kleines Schläfchen auf dem Beifahrersitz gönnt, werdemn wir auf einmal von der Polizei aus dem Verkehr gezogen: Peter hatte ein Überhohlverbot übersehen! Glücklicherweise ist der Polizeibeamte ein netter Mensch und statt 170 Euro Bußgeld plus 1 Flensburger Punkt gibt es nur eine Verwarnungsgebühr von 30 € und eine Ermahnung an die Rabenfrau, ihrer Verpflichtung als Beifahrerin nachzukommen und besser aufzupassen!


Fast ein Punkt in Flensburg!

Pause am Autohof Northeim, danach gerieten wir ziemlich schnell in einen Stau, die Autobahn war voll gesperrt, weil ein Autotransporter in Brand geraten war, und der geamte Verkehr über ein paar Dörfer in der Walachei umgeleitet wurde. Erst spät am Abend kamen wir in Lübeck an und istallierten uns auf dem Campingplatz Schönböcken.

Dienstag, 30.06.09

Hansestadt Lübeck


Das Holstentor

1987 hat die UNESCO das Gesamtstadtbild von Lübeck zum Weltkulturerbe erklärt.Die von Trave und Wakenitz umflossene Altstadt mit ihren rund 1800 denkmalgeschützten Gebäuden, historischen Gassen und verwinkelten Gängen wunderschön anzuschauen, doch sie ist auch der Kern einer höchst lebendigen Großstadt mit rund 214.000 Einwohnern. So hat sich auch, seit der Rabenmann dermaleinst als Grenzschützer dortselbst stationiert war, alles sehr verändert. Immerhin ist Lübeck heute flächenmäßig die größte Stadt Schleswig-Holsteins.

Gegründet 1143 als "erste abendländische Stadt an der Ostseeküste", entwickelte sich die Stadt bald zum Zentrum der mittelalterlichen Städtehanse, die den Ost- und Nordseehandel dominierte. In jener Zeit war Lübeck nach Köln die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Im 30jährigen Krieg gelang es der Stadt, neutral zu bleiben.

Nach spätem Frühstück fuhren wir mit dem Bus in die Stadt, wo wir erstmal einige vergessene Sachen einkauften (man sollte doch immer die Packlisten am Ende noch einmal durchlesen...).


St. Marien

Das ist die Marienkirche. Mit ihr wurde der hoch aufstrebende Gotik-Stil aus Frankreich umgesetzt in norddeutschen Backstein. Sie gilt als Vorbild für die 70 Kirchen in "Backsteingotik", die es im Ostseeraum gibt. St. Marien ist die Haupt-Pfarrkirche des Lübecker Rates und der Bürger der Stadt, und man hat sie deswegen in der Nähe des Rathauses und des Marktes errichtet. Um die Macht des Rates zu demonstrieren, hat man sie größer gebaut als den Lübecker Dom. In einem besonderen Raum in der Kirche wurden früher Urkunden und Verträge der Stadt aufbewahrt. Ihr Gewölbe ist mit 38,5 Meter Höhe i Mittelschiff das größte Backsteingewölbe der Welt.Bei ihrem Bau soll sogar der Teufel mitgewirkt haben, weil er glaubte, man würde dort eine Kneipe errichten. Als er erkannte, worauf der Bau wirklich heraus lief, war er drauf und dran, die Kirche zu zerstören und einen großen Steinbalken darauf zu werfen. Man konnte ihn aber davon abhalten, indem man ihm ein Wirtshaus direkt neben der Kirche versprach, und so ließ er den Balken gleich am Eingang fallen, wo er heute noch liegt. Dort hat man ihm ein Denkmal gesetzt:


Das Teufelchen vor St. Marien

Im Krieg wurde die Kirche durch Bomben und Brand zerstört. Schon 1947 begann man aber mit dem Wiederaufbau, heute steht sie wieder genau so schön da, wie vor der Zerstörung. Allerdings sind einige Kunstwerke unwiederbringlich verloren, Z. B. der berühmte Lübecker "Totentanz", von dem man hier eine Schwarz-Weiß-Abbildung angucken kann.


Die Glocken von St. Marien

Die Glocken der Marienkirche, die in der Brandnacht vom Turm gefallen waren, liegen in einer Seitenkapelle als Mahnmal gegen den Krieg.

Das Rathaus, unmittelbar an die Kriche angrenzend, ist eines der größten und bedeutendsten Rathäuser in Deutschland. Mit dem Bau wurde kurz nach 1226 begonnen, als Lübeck die Reichsfreiheit zuerkannt wurde. Aus dieser Zeit sin dnoch Teile der Südwand im spätromanischen Stil erhalten. Später wurden immer wieder Teile an- und umgebaut. Daher ist es ein interessanter Stilmix. So sieht es heute von der Marktseite her aus:


Das Lübecker Rathaus

Das Wetter war sehr schön, so hatten wir wenig Lust, etwas zu besichtigen, sondern bummelten lieber durch die Stadt.


Das Buddenbrook-Haus

Daher haben wir auch das Buddenbrook-Haus nur von außen gesehen. Es war das Wohn- und Geschäftshaus der Familie Mann 1842 - 1891. Thomas Mann hat es 1901 zum Schauplatz seines Romans "Buddenbrooks" erwählt. 1942 im 2. Weltkrieg zerstört, wurde es dann 1957 als Geschäftshaus wieder errichtet. Inzwischen befindet sich dort ein Heinrich- und Thomas-Mann-Museum.

Am Rathausmarkt ließen wir uns zum Kaffee nieder und liefen dann noch zum Holstentor, das anscheinend schon in der Bauzeit im 15. Jhdt. begann, im Boden zu versinken. Es war zu schwer für den Baugrund, denn auf der Außenseite sind die Mauern bis zu 3 m dick! Man hat dann versucht, dieses bautechnisch auszugleichen, so dass es nun krumm und schief, aber nichts desto trotz sehr eindrucksvoll da steht! Ursprünglich hatte es noch einen Renaissance-Vorbau und war Teil einer Festungsanlage rund um die Stadt, die aber schon im 19. Jhdt. nicht mehr vorhanden war.

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Mittwoch, 01.07.09

Immer noch Lübeck

Wieder fuhren wir mit dem Bus in die Stadt. Für heute hatten wir eine Havelrundfahrt mit einem der Fahrgastschiffe geplant. Ein waschechter Indianer wies uns unseren Platz auf dem Boot zu, und dann ging es zum Hafen und dann einmal rund um die Altstadt.


Der Museumshafen

Im Museumshafen sahen wir einige alte Segelschiffe, aber wir fuhren auch an diversen modernere Pötte vorbei, die wohl schon seit einiger Zeit keine Fracht mehr bekamen.

Im Anschluss daran ging es ganz bequem mit dem Aufzug auf den Turm der St.-Petri-Kirche.


St. Petri

St. Petri ist über 800 Jahre alt. Zunächst war sie ein romanischer Bau, wurde später ausgebaut, und dann ab der 2. Hälfte des 13. Jhdts., als die Lübecker begannen, ihre Kirchen im gotischen Stil zu vergrößern und umzubauen, ebenfalls nach und nach im Stile der "Backsteingotik" erweitert. Im 2. Weltkrieg wurde das Dach der Kirche zerstört und das Innere brannte vollständig aus. Erst in den 60er-Jahren begann man mit dem Wiederaufbau. Es ist keine Kirche für Gottesdienste geworden, sondern ein wunderschöner Veranstaltungsraum für Konzerte und Ausstellungen.


St. Petri von innen

Von der Aussichtsplattform oben auif dem Turm, die man, wie gesagt, ganz bequem mit dem Aufzug erreicht, hat man einen schönen Überblick über die Dächer der Stadt.


Lübecker Dom

Über den Pferdemarkt bummelten wir zum Dom. Er liegt idyllisch im Grünen, und in dem Park entdeckten wir eine Löwenstatue, die uns merkwürdig bekannt vor kam: Tatsächlich ist es eine Kopie des Braunschweiger Löwen! Heinrich der Löwe hat nämlich 1173 den Grundstein gelegt für eine romanische Kirche als Kathedrale für das Bistum an dieser Stelle. Auch diese Kirche, die um 1230 vollendet wurde, hat man bald darauf vergrößert und umgebaut, bis sie Mitte des 14. Jhdts. fertig gestellt war.

Auch der Dom wurde bei dem großen Luftangriff auf Lübeck 1942 beschädigt und brannte in der Folge aus, es konnten aber wertvolle Teile der Inneneinrichtung gerettet werden. Der Wiederaufbau wurde erst 1977 abgeschlossen, weil die Marienkirche Vorrang hatte.

Danach ging es zur kleinsten Altstadtkirche, St. Aegidien. Sie wurde als Kirche der Handwerker und Kämmerer im 14. und 15. Jahrhundert erbaut. Im zweiten Weltkrieg ist sie von Zerstörungen weitgehend verschont geblieben.


St. Aegidien

Anschließend bummelten wir durch kleine Straßen mit vielen Läden. In einem Afrika-Laden konnte ich eine Markttasche erstehen, wie sie vor vielen Jahren mal als "Ibizza-Tasche" modern gewesen ist. Ich hatte damals auch eine besessen, sie ist aber längst den Weg allen Irdischen gegangen, und ich hatte sie schwer vermisst.

Wieder am Rathausmarkt angekommen, ließen wir uns beim Café Niederegger nieder,einem der bekanntesten Hersteller des berühmten Lübecker Marzipans, und dann ging es weiter durch die Stadt, wir schauten uns einige der hübschen "Gänge" und "Höfe an, für die Lübeck bekannt ist.

Wie in anderen mittelalterlichen Städten auch, lebten im mittelalterlichen Lübeck unzählige Tagelöhner und Träger. Sie wohnten in ziemlich elenden "Buden" genannten Hütten, die dicht aneinander gedrängt auf den Rückseiten der Häuser der Reichen oder auf Eckgrundstücken gebaut wurden. Mitte des 16. Jhdts. begann man, solche Buden aus Stein zu errichten, sie wurden oft in die Höfe der Häuser der reichen Gewerbetreibenden gebaut und dienten als Wohnungen für die Beschäftigten des Gewerbes aus dem Haupthaus. Schnell fanden reiche Bürger und die Kirche heraus, dass sich mit der Vermietung solcher Buden viel Geld machen ließ, und dem Mietwucher waren Tür und Tor geöffnet. Es gab aber auch Stiftungen, wo ärmeren Menschen kostenloser Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde, zum Beispiel der Haasen-Hof, den 1725 dier Witwe Elisabeth Haase für Witwen und ledige Frauen ausbauen ließ. Er ist heute noch erhalten und bietet, schön restauriert und nett begrünt, einen idyllischen Anblick. Allerdings scheinen die Bewohner nicht eben begeistert von den vielen Touristen auf Besichtigungstour...


Der Haasenhof, der schon öfter als Filmkulisse gedient hat

Man unterscheidet sogenannte "Höfe", die rund um einen kleinen Platz gebautt wurden, und "Gänge", die schmale Gassen zwischen parallel verlaufenden Straßen bildeten. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts gab es in Lübeck mehr als 180 Gänge. Heute sind noch noch etwa 90 davon erhalten.

St. Katherinen war leider schon geschlossen, wir konnten nur noch die Nischenfiguren, den Zyklus "Gemeinschaft der Heiligen" an der Fassade bewundern, die 1929 von Ernst Barlach begonnen worden waren (von ihm sind die drei Figuren auf der linken Seite), dann versteckt werden mussten, und von Gerhard Marcks 1949 beendet wurden.


St. Katharinen

Schade, eine Besichtigung wäre bestimmt interessant gewesen. Die turmlose St. Katherinen wurde im 14. Jhdt. erbaut und ist die Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters. In einem Langzeit-Restaurierungsprogramm ist man dabei, sie in den ursprünglichen Zustand ihrer Entstehungszeit zu versetzen. Wenn sie fertig ist, wird einen mittelalterlichen Kirchenraum des 14. Jhdts. so erleben können, wie er von seinen Erbauern geplant und ausgestattet wurde.


Willy-Brandt-Haus

Auch vom Willy-Brand-Haus konnten wir nur die Fassade bewundern. Es ist ein Museum und eine Gedenkstätte für den früheren deutschen SPD-Politiker, Bundeskanzler und Friedennobelpreisträger Willy Brandt, eingerichtet in einem Patrizierhaus, das im 14. Jhdt. das Gesellschaftshaus einer Bruderschaft von Fernhandelskaufleuten gewesen war, dann Sitz des Oberappelationsgerichts der 4 Freien Städte (Hamburg, Bremen, Frankfurt/Main und Lübeck) und später als Stadtarchiv und öffentliche Bücherei gedient hatte.


Heiligen-Geist-Hospital

Das Heiligen-Geist-Hospital, das 1286 von wohlhabenden Bürgern gestiftet worden war, ist eines der ältesten Sozialeinrichtungen Europas. Gleichzeitig ist es eines der bedeutendsten mittelalterlichen Monumentalbauwerke überhaupt. Zunächst wurde es als Hospital genutzt, später hat man ein Altenheim dort eingerichtet, dessen Bewohner zunächst einfach alle in freistehenden Betten in der großen Halle wohnten. Erst im frühen 19. Jhdt. wurden die Betten durch hölzerne Trennwände von einander getrennt. Die Plätze waren sehr beliebt, und als 1970 das Heim umgebaut werden sollte, verließen die Bewohner ihre nach oben offenen "Kabäusterchen", wie man die kleinen Kammern in Lübeck getauft hatte, angeblich nur widerstrebend. Die Funktion als Altenheim ist erhalten geblieben, allerdings wohnen die Bewohner seit der Modernisierung in "echten" 1- und 2-Bett-Zimmern, es gibt ein Alten-Tagheim, und im Keller,d er früher zur Lagerung von Waren vermietet wurde, befindet sich ein Restaurant. Das Heim finanziert sich immer noch, wie im Mittelalter, durch eigene Einnahmen.

Nun hatten wir aber wirklich "runde Füße", und so ließen wir uns zu einem leckeren Abendessen am Holstentor nieder, visavis von den alten Salzspeichern, die nun romantisch im Abendsonnenschein lagen.


Lübecker Salzspeicher

Die 6 Backsteingebäude wurden im 16. bis 18 Jhdt. errichtet und dienten als Lagerstätte für das Salz, das mit Flußschiffen über Detuschlands ältesten Kanal, den Stecknitzkanal, von Lüneburg nach Lübeck gebracht, dort auf Seeschiffe umgeladen und nach Skandinavien verschifft wurde. Da man es dringend zum Konservieren von Fisch brauchte, war das "weiße Gold" damals ein kostbares Gut, das teuer verkauft werden konnte. Später hat man in den Speichern verschiedene Güter wie Tuch, Korn oder Holz gelagert, und jetzt befindet sich in den sehenswerten Räumlichkeiten ein elegantes Modehaus.

 

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Donnerstag , 02.07.2009

Wir fahren endlich Richtung Meer!

Schon morgens schien die Sonne. wir schafften es, so gegen halb 11 Uhr einzupacken und loszufahren. Unser neuer Campingplatz lag schon am Ostseeufer, in Zierow. Wir waren rechtzeitig zum Kaffee dort. Am Abend bummelten wir an den Campingplatzeigenen Strand, er war nicht besonders schön, aber immerhin konnten wir die Sonne im Meer versinken sehen. Fast konnte man es zischen hören, und die Sonne ging in Ufo-Form unter. Der Rabenmann ärgerte sich, dass wir nur meine kleine Kamera dabei hatten!


"merkwürdiger" Sonnenuntergang in Zierow

Freitag, 03.07.09

Fauler Tag


Dolce Vita

Das muss auch mal sein, finden wir: ein "Fauler Tag" ohne große Unternehmungen. Abgesehen von einer kurzen Einkaufsfahrt zum nahegelegenen Supermarkt baumeln wir einfach mit der Seele.

In der Hoffnung, dass die Sonne noch einmal so spektakulär am Horizont versinke, spazierte der Rabenmann nochmal mit großem optischen Gerät an den Strand, aber leider gab es Wolkenstreifen.

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Samstag, 04.07.09

Wismar

Heute stand Wismar auf dem Programm.

Gegründet wurde die Stadt 1226, als Holsteinische, Westfälische und Niedersächsische Siedler aus der Mark hier ansässig wurden. Schnell entwickelte sich die Stadt, und der mecklenburgische Fürstenhof wurde hierher verlegt. Wismar wurde wie Lübeck und Rostock zu einer bedeutenden Stadt der Hans, und die Kaufleute handelten mit Skandinavien, Russland, England, Franreich, Flandern, Spanien und Portugal.

Ende des 30jährigen Krieges wurde Wismar von den Schweden besetzt. Ihre Herrschaft endete 1803, als sie die marode Stadt und die umliegenden Gebiete für 99 Jahre an das Herzogtum Mecklenburg Schwerin verpfändeten, und erst 1903, als sie auf die Einlösung verzichteten, fiel Schwerin endgültig an Deutschland zurück.

Im Zuge der Industrialisierung erlebte auch Wismar wieder einen Aufschwung. Die Werftindustrie wuchs stetig, und Anfang des 20. Jhdts gründeten die Dornier-Flugzeugwerke hier eine Zweigniederlassung. Dieser Umstand machte Wismar während des 2. Weltkrieges leider zum Ziel amerikanischer Bomben. Viele Wohnhäuser und der Großteil der Fabriken wurden zerstört.

Zu DDR-Zeiten wurde mehr Wert auf die Industrie als auf den Wiederaufbau der Altstadt gelegt, und so wurde diese erst nach der Wiedervereinigung im Rahmen der Städtebauförderung umfassend saniert und wieder aufgebaut. Inzwischen steht die gesamte Altstadt unter Denkmalschutz und gehört seit 2002 zum Weltkulturerbe der UNESCO.


Die Marienkirche

Trotzig streckt St. Marien ihren 82 Meter hohe Kirchturm gen Himmel: Der Turm mit Nebenhallen, die Turmuhr und das Glockenspiel sind das Einzige, was von der mächtigen gotischen Basilika noch steht. Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche beschädigt und 1960 gesprengt. Bis dahin galt sie als eine der schönsten Backsteinkirchen im norddeutschen Raum.


Der Fürstenhof

Das ist der Fürstenhof, errichtet zu Beginn 16. Jhdts., der anlässlich einer Hochzeit 60 Jahre später einen Anbau im italienischen Renaissance-Stil bekam. Bemerkenswert ist der aufwändig gestaltete Terrakotta-Fries. Seit 1876 befindet sich darin das Amtsgericht, was eine umfangreiche Sanierung erforderte. Obwohl der Architekt sich im historische Genauigkeit bemühte, griff er doch erheblich in die Originalgestaltung ein, als besonders problematisch gilt die Veränderung der Fenster auf der Straßenseite, die in einem ganz anderen Stil verziert wurden.

Von dort aus schlenderten wir weiter zur St. Georgskirche, die direkt nebenan liegt. Gemessen am umbauten Raum ist sie die größte der drei monumentalen Sakralbauten in Backsteingotik in der Wismarer Altstadt. Mit ihrem Bau wurde 1295 begonnen.


St. Georgen

Aus Kostengründen blieb der Turm unvollendet, der Stumpf trägt neben der ungewöhnlichen Raumaufteilung und dem riesigen Querhaus zum ungewöhnlichen Erscheinungsbild der Kirche bei. Im 2. Weltkrieg wurde auch die Georgenkirche stark beschädigt, in der Folge verfiel auch das erhaltene Mauerwerk weiter. Erst nach der Wiedervereinigung wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. 2010 soll er abgeschlossen sein, und die ausgelagerten, noch erhaltenen Austattungsstücke wieder an ihrem alten Platz aufgestellt werden.

Einiges davon befindet sich zur Zeit in der gut erhaltenen Heiliggeist-Kirche aus dem 13. Jhdt., der ehemaligen Kirche des gleichnamigen Hospitals. Ursprünglich war sie gleichzeitig zunächst gleichzeitig Gotteshaus, Klinik und Herberge, bis später ein ein Siechenhaus angebaut wurde. Die bemerkenswerte flache Holzdecke der Kirche stammt aus dem 17. Jhdt. und wurde nach einer Pulverturmexplosion eingezogen. Hübsch ist der Heilgigeist-Kirchhof auf der Rückseite:

Die Nikolaikirche ist die dritte große Kirche in Wismar. Sie wurde Ende des 14. Jhdts. zu ihrer heutigen Größe umgebaut, erhielt aber im frühen 18. Jhdt. nachdem bei einem Sturm das Mittelschiff zerstört wurde, eine barocke Ausstattung. Das Mittelschiff ist übrigens mit über 37 m Höhe eines der höchsten in Norddeutschland.


Nikolaikirche von innen

Wir konnten in der Nikolaikirche eine interessante Führung auf das Gewölbe des Seitenschiffs mit machen. Witzig: Dort gab es Türen, die in den Kirchenraum führten. Natürlich konnte man nicht hindurch treten, es sei denn, in selbstmörderischer Absicht. Der Führer erklärte uns, dass man solche Türen ursprünglich in Klosterkirchen eingebaut hätte. Dahinter hätten sich während des Gottesdienstes Mönche aufgehalten und gesungen, was dann einen sehr schönen Klang ergab. Allerdings hat es hier nie Mönche gegeben, und die Türen seien vermutlich aus reiner Angeberei eingebaut worden.

Auf dem Weg zum Hafen kamen wir an der "Grube" vorbei.


Die Grube

Die Grube ist einer der ältesten, künstlich angelegten Wasserstraßen Deutschlands. Sie wurde im 13. Jhdt. angelegt und diente sowohl der Trinkwasserversorgung als auch als Transportweg. Rechts und links davon stehen hübsche, alte Häuser, eines sogar obendrüber!

Im alten Hafen war soeben die Wissemara eingelaufen:

Die Wissemara ist ein Nachbau der sogenannten Poeler Kogge, die 1999 an der Mole in Timmendorfer Strand gefunden wurde und mit einer Ladekapazität von 200t das größte mittelalterliche Frachtschiff ist, das man bislang gefunden hat. Der Nachbau erfolgte unter wissenschaftlicher Anleitung in bewusster Anlehnung an Schiffsbaumethoden des 14. Jahrhunderts, die Wissemara verfügt aber über alle modernen Schikanen wie GPS und Radar und einen modernen Motor. Heutzutage transportiert sie in aller Regel abenteuerlich gesonnene Touristen, denen diesmal ein festlicher Empfang bereitet wurde, samt mittelalterlich gekleidetem Bürgermeister und Weinkönigin (!). Anlässlich eines Stadtfestes namens "Französische Nacht" brachte das Schiff ein Fäßchen Wein, das dann mit großem Tam-Tam zum Marktplatz gebracht wurde.

Wir haben dort allerdings keinen Wein getrunken, sondern Kaffee!

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