Rabenurlaub in der Toskana

Hier findest du einen Reisebericht über unseren Urlaub 2006 in der Toskana.

16. Juni bis 8. Juli 2006

Inhalt:

 

Wir haben 3 Wochen in einer Ferienwohnung Asciano gewohnt, einem winzigen Dorf mitten in der Crete, der einzigartigen Hügellandschaft südlich von Siena. Die Bilder kann man übrigens anklicken, um sie zu vergrößern. Sie öffnen sich jeweils in einem neuen Fenster. Um auf diese Seite zurück zu kehren, das neue Fenster schließen!

Die erste Woche

Freitag 16.6.

Nach einem ausführlichen Frühstück bei IKEA machten wir uns gegen halb 11 Uhr auf den Weg. Gepackt hatten wir schon am Tage vorher. Wer uns kennt, der weiß, dass das immer eine ziemliche Aktion bei uns ist...

Gegen 18:30 Uhr machten wir Station in einem kleinen Hotel in Roncobilàccio, irgendwo hinter Bologna. Zum Abendessen gab es die erste "echt italienische Pizza".

Samstag 17. 6.

Nach Frühstück an der Bar mit Capuccino und Hörnchen (mir fehlte mein morgendlicher Tee!) ging es weiter in Richtung Firenze (Florenz). Da wir unsere Ferienwohnung erst am späten Nachmittag beziehen konnten, hatten wir ziemlich viel Zeit, und wir beschlossen, uns unserem Ziel auf Umwegen zu nähern und benutzten viele kleine, gewundene Straßen. In Impruneta hielten wir kurz an und beguckten uns eine der vielen Töpfereien. Die Sachen gefielen uns allerdings nicht wirklich.


Terracotta aus Impruneta

In Greve (Chianti) hielten wir an, bummelten ein wenig über den Markt und gönnten uns ein kleines Mittagessen in Form von Salat und Bruscetta, letzteres ist in der Toskana eine riesige Scheibe Weißbrot, die mit Käse und noch diesem und jenem überbacken wird.


Die Rabenfrau beim Kaffee

Nach einem kleinen Spaziergang ging es dann weiter nach Asciano, einer kleinen, mittelalterlichen Stadt aus dem Jahre 1351 mit Resten einer Befestigungsmauer, wo wir unsere kleine Ferienwohnung hoch oben auf dem Berg bezogen. Dann noch das Wichtigste im Supermarkt einkaufen, uns auf der unteren Terasse mit einem Gläschen Rotwein installieren... Glühwürmchen gucken... URLAUB!

Sonntag, 18. 6.

Fauler Tag im Garten unserer Ferienwohnung. Ansonsten Homefun: Schränke ausgewischt und Geschirr abgewaschen, jedenfalls das wir gebrauchen wollen, den Rest in den unteren Teil im Wohnzimmerschrank verstaut. Ich hab' den Rabenmann beim Scrable besiegt, obwohl er immer die Worte mit den meisten Punkten gesucht hat. Aber Kleinvieh macht halt auch Mist Zum Abendessen gab es Rumstopf (ein Eintopf aus Auberginen, Paprika, Kartoffeln, Zuccini und Fleisch, dessen Rezept und Name aus unseren Braunschweiger Studententagen übrig geblieben sind), danach wieder Glühwürmchen gucken...

Montag, 19. 6.

Heute erkundeten wir Asciano, obwohl die meisten Läden erwartungsgemäß geschlossen waren. So bummelten wir durch fast leere Gassen.


Gassen in Asciano

Der Coop hatte trotzdem auf, wir kauften Wein und Kuchen.

Dienstag, 20. 6.

Heute machten wir einen Ausflug nach Siena. Es ist nur 25 km von Asciano entfernt, aber die Fahrt geht auf kleinen, gewundenen Sträßchen durch die Crete, deswegen dauerte es doch ziemlich lange, bis wir dort ankamen.


Palazzo Publico in Siena

Siena gilt als eine der schönsten Städte der Toskana und Italiens. Vermutlich haben schon Etrusker hier gesiedelt, und in römischer Zeit gab es hier eine Kolonie mit dem Namen Saena lulia. Wirklicher Bedeutung erhielt die Stadt aber erst im Mittelalter. Schon seit jeher befindet sie sich in Rivalität mit Florenz, egal ob in politischer, wirtschaftlicher oder künstlerischer Hinsicht. Während Florenz als Paradebeispiel einer Renaissance-Stadt vor allem durch die schiere Masse und Größe seiner Bauwerke und Kunstwerke beeindruckt, hat Siena den mittelalterlichen Charakter der speziell italienischen Gotik erhalten.

Auch wir waren begeistert von der Stadt. Besonders gefallen hat uns, wie fast allen "Touris" die Piazza del Campo. Bevor wir uns dort in einem Café niederließen, mussten wir natürlich die 503 Stufen des Torre de la Mangia erklimmen. Oben hat man auch tatsächlich eine tolle Aussicht auf die Stadt. Der Rabenmann filmte und filmte und filmte... Anschließend beguckten wir uns die Meisterwerke im Muséo Civico. Hier könnt ihr gucken, was es dort zu sehen gibt: http://www.comune.siena.it/museocivico/museocivico/salemappa.html (am besten gefielen mir die Frescen in der Sala del Mappamondo.

Den Duomo hatte man leider gerade fast komplett mit Baugerüsten umgeben. Es war ziemlich laut, und der Eintritt war teuer. Deswegen haben wir uns als Kulturbanausen geoutet und sind lieber die Via del Cità entlang gewandelt zum Shopping!

Mittwoch, 21. 6.

Wir brauchten nach dem Ausflug gestern mal wieder einen faulen Tag, lasen, schrieben Postkarten, und abends wanderten wir per Pedes ins Dorf runter und gönnten uns ein Abendessen im "La Mencia" mit sündhaft teurem Wein.

Donnerstag, 22. 6.

Heute war ein Ausflug nach Rapolano Terme geplant. Dort haben angeblich schon die alten Etruscer gebadet. Das dortige Termalbad war zwar offen, wurde aber gerade renoviert und war mehr oder weniger eine Baustelle. So kamen Badeanzug und Badehose nun doch nicht zum Einsatz. Aber im Ort war Markt, und das ist ja immer interessant. Der Ort selber hat eine kleine Altstadt, und wir schlenderten noch durch die engen Gassen.


Altstadt Rapolano Terme

Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen Supermarkt in Sinalunga, wo es mein geliebtes Mandelkonfekt (dragierte Mandeln - *njam-njam*) gab. Ich futterte die Tüte gleich leer. Dummerweise kauften wir bloß eine, und leider gab es das Zeug sonst nirgendwo. Schade!

Freitag, 23. 6.

Wieder ein Ausflugstag! Es ging nach Pienza. Früher hieß es Corsignano. In dem 500 m über dem Orcia-Tal gelegenen Ort wurde 1405 Enea Silvio Piccolomini geboren. Während seines Pontifikats als Pius II. ließ er ab 1458 - in der Tradition antiker Städtegründer - seinen Geburtsort unter dem Namen Pienza (< von Pius) als Idealstädtchen vom Architekten und Bildhauer Bernardo Rossellino (1409-1464), dem Erbauer des Palazzo Rucellai in Florenz, neu entwerfen. Unter der Leitung des Sienesen Pietro Paolo Porrina enstanden in kurzer Zeit in einem Guß die Piazza, die T-förmig davon abzweigenden Hauptstraßen, Rathaus, Kathedrale, Brunnen, Piccolomini-Palast und Kloster mit einem Dutzend weiterer Paläste und Hausbauten. Infolge des Tod Pius II. (1464) wurde die Stadt nicht vollendet.

Die Piazza Piu II. ist raffiniert mit einem "umgekehrten Fluchtpunkt" angelegt, so dass sie trotz beengtem Raum erstaunlich groß wirkt.


Innenhof des Palazzo Piccolomini

Danach fuhren wir nach Montepulciano. Die (autofreie!) Stadt des edlen Rotweins "Nobile de Montepulciano" Lage und Bau der Stadt sind außerordentlich reizvoll und pittoresk. Die Stadt liegt auf der Kuppe eines rund 600 m hohen Hügels und ist von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben. Um diese Jahreszeit gab es dort noch ziemlich wenige Touristen. Wir futterten einen leckeren Salat in einer kleinen Bar an der Piazza Grande.


Palazzi und Brunnen an der Piazza Grande in Montepulciano

Die Rückfahrt über die kleinen Sträßchen gestaltete sich ein bisschen aufregend, weil uns langsam der Kraftstoff aus ging, und die Rabenfrau schon befürchtete, in der Walachei liegen zu bleiben. Aber wohlbehalten erreichten wir dann doch noch die Tankstelle in Asciano.

Die zweite Woche

Samstag, 24. 6.

Heute sind wir den steilen Berg, auf dem unser Ferienhaus liegt, wieder per Pedes hinunter ins Dorf gestiegen. Eigentlich ist es nicht so sehr weit, aber diese Steigung!!! In Asciano ist Samstags Markttag. Der Markt in Asciano ist für Italien eine verhältnismäßig kleine Angelegenheit, aber, wie üblich ist alles vertreten: Klamotten, Schuhe, Haushaltswaren, Obst und Gemüse, Käse und Wurst. Wir hätten gerne Käse gekauft am Stand, aber es war so heiß, dass wir befürchteten, der gute Peccorino könnte uns unterwegs weglaufen! So erstanden wir nur Sets für den Terassentisch vom Ferienhaus.


Markt in Asciano

Mittags waren wir dann nochmal mit dem Auto im Dorf zum Einkaufen, nachmittags testeten wir den Pool (sprich: die etwas größere Badewanneim Garten *grins*). Sogar ich war drin! Hier ist der Beweis:


Die Rabenfrau im Pool

Sonntag, 25. 6.

Beim Frühstück hatten wir schon 27°C im Schatten! Trotzdem beschlossen wir, den Tag nicht nur faulenzend zu verbringen, und nach dem Kaffee machten wir uns auf zur Abbazia die Monte Oliveto Maggiore. Man fährt dorthin über winzige Straßen durch eine Landschaft, die wie eine Einöde wirkt, karge Hügel mit einzelnen Gehöften, hier und da ein paar Zypressen oder Ölbäume.

In diese "wilde Wüste" zog sich Anfang des 14. Jahrhunderts der junge Sieneser Adlige Bernardo Tolomei mit 2 Freunden zurück und gründete später den Olivetanererorden, der zu den Benediktinern gehört ("Ora et labora"- Bete und arbeite), der sich strikt der Armut und Bescheidenheit verschrieb, und die Abtei. Im Laufe der Jahre wurde die Abtei zu einem der grössten und wichtigsten Klöster Italiens und ist heute noch von Mönchen bewohnt. In einem kleinen Geschäft am Eingang werden Liköre, Kräuterextrakte und andere Erzeugnisse der Klosterbewohner zum Verkauf angeboten. Wir erstanden dort ein extrem teures Glas Kastanienhonig.

Uns interessierten aber vor allem die Fresken im Kreuzgang. Luca Signorelli und Mitglieder aus dessen Werkstatt (1497-98), vor allem aber Sodoma (1505-08), bemalten die Wände des Klosterhofes mit der Vita des hl. Benedikt (so nannte sich Bernardo Tolomei später). Der Zyklus gilt wegen seiner Kombination von architektonischen und naturalistischen Details als Meisterwerk der Freskenmalerei der Hochrenaissance.


Fresko in der Abbazia die Monte Oliveto
Der junge Mann in der Mitte soll ein
Selbstportrait des Künstlers sein

Montag, 26. 6.

Wieder ist es sehr warm. Wir machten uns einen ganz faulen Tag im und um "unser" Häuschen.


"Unser" Wohnzimmer

An den vielen Lavendelsträuchern im Garten summte und brummte es. Hier ist einer der Besucher:


Schmetterling im Lavendel

Dienstag, 27. 6.

Der Rabenmann marschierte trotz der Hitze in den Ort, um auszukundschaften, ob und wie man denn mit dem Zug Nach Florenz käme (man käme: ungefähr 2x am Tag). Nachmittags rafften wir uns auf und fuhren zur Ruine San Galgano.


S. Galgano

Der heilige Galgano war im 12. Jahrhundert ein Ritter namens Galgano Guidotti, der, ähnlich wie Franz von Assisi, irgendwann beschloss, seinen Besitz zu verschenken und sein Leben Gott und den Armen zu widmen. Zum Zeichen seiner Lebensumstellung stieß er sein Schwert in die Felsen des Monte Siepi, an die Stelle, wo er seine Einsiedelei errichten wollte, der Schwertgriff soll sich daraufhin zu einem Kreuz verformt haben. Das "Originalschwert" steckt angeblich immer noch dort, ist aber längst eine Nachbildung für die zahlreichen Touristen, die sich hier herum treiben. Bald nach seinem Tode siedelten sich dort Zisterziensermöche an, die, als das Kloster zu klein wurde, am Fuße des Berges im 13. Jahrhundert die gotische Abtei erbauten, die derzeit einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Region darstellte. Die geschäftstüchtigen Mönche standen in den Diensten der Stadt Siena, legten Sümpfe trocken und schafften neue, landwirtschaftliche Nutzflächen, bauten Mühlen und Walkereien.

Schon im 14. Jahrhundert, als durch Hungsersnöte und Pestepidemien viele Mönche und Laienbrüder starben und marodierende florentinische Söldnerheere die Gegend unsicher machten, begann der wirtschaftliche Abstieg. Schließlich verschacherte ein gewissenloser Abt das Bleidach der Abtei, das Gewölbe verfiel, und die Bauern der Umgebung trugen nach und Steine ab, um sich damit ihre Häuser zu bauen.

In jüngerer Zeit wurden die Außenmauern der Ruine wieder vollständig aufgerichtet. Für mehr hat das Geld wohl nicht gelangt. Merkwürdigerweise wirkt die Kirche nun, mit den glaslosen Fenstern, der nackten Erde als Boden und dem freien Himmel als Dach, besonders eindrucksvoll. Mir fiel diese Geschichte von Gott von Hermann van Veen ein, und ich dachte: Nun könnte Gott wieder einziehen ...

Abends hatte keiner von uns Lust zu kochen, so testeten wir die weiße Pizza in der "Pizzeria l'Angolo dello Sfizio" an der Hauptgasse Corso Matteotti in Asciano. Wir können sie empfehlen!


Asciano bei Nacht

Mittwoch, 28. 6.

Den Tag verbringen wir mit Einkaufen und "dolce far niente". Am Abend fanden wir uns im örtlichen Museum von Asciano ein, dem Museo Civico Archeologico e d'Arte Sacra, das sich im Palazzo Corboli befindet. Es war ursprünglich hautpsächlich ein Getreidespeicher mit Mühle, der im 13. Jhdt. in einzelne Räume aufgeteilt und zum eleganten Wohnhaus mit beeindruckenden Wandmalereien umgebaut worden ist.

Man kann einige schöne, sakrale Kunstwerke von Künstlern des 14. bis 16. Jhdts. aus der Gegend um Siena bestaunen, unter anderem ein eindrucksvolles Gemälde von der Geburt Marias vom Maestro dell'Osservanza, eine Madonna von Diccio die Boninsegna und ein hölzernes Kruzifix, das Giovanni Pisano zugeschrieben wird.


Kleiner Ausschnitt aus der "Geburt Marias"

In der etruskischen Abteilung gibt es einige Fundstücke aus der Nekropole Poggio Pinci aus dem 4. bis 1. Jhdt. v. Chr.

Donnerstag, 29. 6.

Heute hieß es früh aufstehen, denn S. Gimignano stand auf dem Programm!

Es ist die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt der Toskana. Von weitem wirkt es ein bisschen wie ein Miniatur-Manhattan, denn schlanke, hoch aufragende Türme beherrschen das Stadtbild, gegen die sich der mittelalterliche Kirchenbau fast bescheiden ausnimmt. Ursprünglich waren es 72, heute sind voch 15 davon erhalten.

Der Grund für diese sonderbare Architektur der "Geschlechtertürme" war einmal ein erbitterter Wettstreit um das höchste und somit prestigeträchtigste Gebäude der Stadt. 1255 wurde festgelegt, dass nicht mehr höher gebaut werden durfte als der "Torre Grosso", der Rathausturm (54m). Aber die Türme waren nicht nur Statussymbole sondern dienten auch als kleine Festungen, die vor Übergriffen rivalisierender Familen schützen sollten, denn in S. Gimignano gab es, wie in vielen anderen Städten auch, häufig blutige Auseinandersetzungen zwischen papsttreuen Guelfen und kaisertreuen Ghibellinen. Die Stadt war aber auch nach außen hin in die Machtkämpfe des 13. Jhdts. verwickelt und fiel schließlich an Florenz, der einsetzende Niedergang führte dazu, dass kein Geld für Erneuerungen da war, so dass das mittelalteriche Gepräge so ziemlich erhalten blieb.

S. Gimignano ist von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden und nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gebäude mehr oder weniger originalgetreu (manches ist angeblich "mittelalterlicher" geworden, als es ursprünglich war) restauriert. Das Ergebnis ist jedenfalls ein sehr hübsches Städtchen!


Geschlechtertürme in S. Gimignano

Natürlich erklommen der Rabenmann und ich den "Torre Grosso", der einzige Turm, der für die Touris offen steht. Außerdem sahen wir die Fresken über das Leben des Heiligen Augustinus von Benozzo Gozzoli und seinen Schülern in der Kirche S. Agostino, und aßen ein Eis in der angeblich besten Gelateria (lt. Baedecker!) der Toskana, das wirklich sehr gut schmeckte. Wir fanden sie allerdings erst im 2. Anlauf (Piazza della Cisterna No.4 geb es nämlich 2 Mal!


Die Rabenfrau mit DEM Eis (Schokolade-Orange, Zitrone, njam-njam!)

Freitag, 30. 6.

Wir fahren nach Montalcino. Es ist eine der ältesten toskanischen Städte, 814 wurde es erstmals erwähnt. Es liegt malerisch auf einem schmalen Hügel und ist von Weinbergen umgeben, auf denen die Trauben für den Brunello die Montalcino angebaut werden, ein nobler Rotwein, der auch beim Erzeuger nicht für unter 20 € die Flasche zu haben ist.

Wir besichtigten die Rocca, die Festung, am höchsten Ort der Stadt, die man durch eine feine Enoteca betritt. Die Rocca ist ein geschichtsträchtiger Ort, denn nach dem Fall von Siena (1555) riefen die vertriebenen Sieneser hier die "Republik von Siena in Montalcino" aus. Bis 1559 konnte die letzte freie und demokratisch regierte Stadt der Toscana noch ihre Unabhängigkeit bewahren, bevor sie der absolutistisch regierende Medici Cosimo I. aus Florenz unterwarf.


Rocca die Montalcino

Von den Mauern hat man einen wunderbaren Ausblick!

Danach kauften wir keinen Brunello, auch nicht den nicht ganz so teuren Rosso di Montalcino, sondern gingen lieber essen in der Bar Trattoria L'Angolo, ein unscheinbarer Laden, aber proppenvoll, was ja immer ein gutes Zeichen ist.

Die dritte Woche

Samstag, 1. 7.

Samstag ist natürlich Markttag, und so marschierten wir noch einmal den Berg hinunter zum Markt von Asciano. Dieses Mal schafften wir Werte: 3 Tischdecken, von denen eine eigentlich ein Bettüberwurf ist, 2 Espressotassen und ein kleines Porzellanschälchen, eine Fliegenpatsche für die Ferienwohnung und eine Zitrone für unseren allabendlichen Cinzano waren unsere Beute.


Raben-Aperitif

Sonntag, 2. 7.

Schon wieder hieß es früh aufstehen! Wir fahren nach Arezzo. Die Stadt ist weit in die hügelige Landschaft hinein gewachsen, am Rand findet man viele moderne Zweckbauten und häßliche Wohnsilos. Der mittelalterliche Kern ist aber zum großen Teil noch gut erhalten, obwohl die Stadt im 2. Weltkrieg von den Alliierten schwer bombadiert worden ist. Die "Piazza Grande", umgeben von historischen Bauten, gilt als einer der schönsten städtischen Plätze der Toskana.

Wir besichtigen das bombastische Denkmal, dass die Stadt ihrem berühmten Sohn errichtet hat, dem Dichter Francesco Petrarca, der Anfang des 14. Jhdts. gelebt hat und als der größte Dichter Italiens gilt und in seiner Gedichtsammlung Canzoniere eine unerreichbare, verheiratete Geliebte namens Laura besingt. Im 16. Jahrhundert ist auch der berühmte Maler-Architekt Giorgio Vasari hier geboren. Er war Hofmaler der Medici und Biograf florentinischer Künstler wie Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo. Er gilt durch seine Schriften über das Leben und Werk zeitgenössischer Meister als einer der ersten Kunsthistoriker. Der Begriff des Manierismus in der Malerei geht auf ihn zurück. Außerdem erblickte um 1000 auch Guido von Arezzo, der die Notenschrift in die europäische Musik einführte, in Arezzo das Licht der Welt. Die Geburts- bezw. Wohnhäuser der Künstler sind alle noch erhalten bzw. wieder aufgebaut worden.

Einige Kirchen sahen wir uns noch an: Den gotischen, verhältnismäßig einfachen Dom und Santa Maria della Pieve aus dem 13. Jhdt. mit ihrer überwältigenden Fassade und dem "Glockenturm der hundert Löcher", wie er im Volksmund wegen seiner vielen Doppelbogen-Öffnungen genannt wird, und San Francesco, in deren Hauptchor sich der weltberühmte Freskenzyklus "Storia della Croce" (Kreuzeslegende) von Piero della Francesca befindet, der zwischen 1452 und 1464 entstand. Auf ca. 300 qm wird die Geschichte des Kreuzes Christi erzählt, von der Pflanzung des Baumes, der das Material lieferte, bis zur Rückführung des geraubten Kreuzes nach Jerusalem im Jahr 615.

Wir haben für unseren Besuch in Arezzo extra den ersten Sonntag im Monat ausgesucht, denn dann findet dort immer der größte Antikmarkt der Region statt. Leider sind die Preise doch ziemlich hoch. Aber es ist interessant, herumzuschlendern und zu gucken. Es wird alles angeboten, was alt ist oder auch nur alt aussieht.


Antik-Markt in Arezzo

Zum Abschluss schlenderten wir noch über den Corso Italia, wo sich die Schönen und Reichen zum Shoppen in den Edelboutiquen tummelten und warfen noch durch den Zaun einen Blick auf das Anfiteatro Romano. Dann ging's heim nach Asciano, wo wir uns wieder eine Pizza in "unserer" Pizzeria gönnten, diesmal auf der großen Terrasse derselben, die anscheinend nur am Wochenende geöffnet ist und in einer ganz anderen Straße liegt.

Montag, 3. 7.

Wieder ein fauler Tag, ausschlafen, spät frühstücken und Nichtstun!

Dienstag 4. 7.

Schon um halb 10 Uhr waren wir auf dem Weg nach Florenz! Florenz ist insgesamt sehr nüchtern, seine zahllosen Paläste wirken streng und ähneln oft mehr Festungen als Prunkbauten. Zweifellos gibt es lieblichere Orte in der Toscana. Doch die stadt war fast 100 Jahre das geistig-kulturelle Zentrum Europas, Kunst, Philosophie, Literatur und die Wissenschaft blühten und Handel und das Bankwesen florierten. Die Handelsniederlassungen und Bankfilialen der Bankiersfamilie der Medici waren auf dem ganzen Kontinent vertreten.

Heute leben etwa 600.000 Menschen im Großraum Florenz, nur etwa die Hälfte davon tatsächlich in der Stadt selber. Arbeitsplätze gibt es fast nur noch im Tourismus, die Mieten sind hoch und Lärm und Smog treiben die Menschen hinaus aus der Stadt.

Als wir in der Stadt ankamen, war es schon wieder sehr heiß, überall waren Staub, Krach, Abgase und in jedem Winkel Heerscharen von Touristen. Glücklicherweise fanden wir gleich einen Parkplatz am Rande der Innenstadt. Die Schönheiten der Stadt blieben uns zunächst verborgen, denn zuerst mussten wir ein Klo suchen, was sich als gar nicht so einfach erwies! Erleichtert schlappten wir sodann zurück zur Piazza della Signoria und schauten uns Michelangelos David an, der als Kopie vor dem Palazzo Vecchio (dem Rathaus) herum steht. Auf das Original verzichteten wir, weil wir uns vorgenommen hatten, erstmal die Stadt als solche zu begucken. Außerdem glauben wir, dass er vielleicht auch an seinem angestammten Platz besser zur Geltung kommt als in einem Museumssaal.


Michelangelos David

So sahen wir auch den Palazzio Vecchio nur von außen: ein großer, rechteckiger Bau mit gotischen Fenstern und mittelalterlicher Brüstung, der Ende des 14. Jhdts. erbaut und dann in mehreren Etappen bis Mitte des 16. Jhdts. erweitert. Zur Zeit der Florentiner Zunftdemokratie wohnten hier die 12 Stadträte. die für 60 Tage gewählt wurden und en Palast während ihrer Amtszeit nur zu Amtsgeschäften verlassen durften. Später war der Palazzo Sitz Cosimos I. und weiterer Medici. Die Bezeichnung "vecchio" (alt) erhielt er erst, nachdem die Großherzöge in den neuen Herzogspalast, den Palazzo Pitti, umgezogen waren.

In der Loggia dei Lanzi (ebenfalls aus dem 14. Jhdt.) neben dem Palast wurden früher die Stadtoberen gewählt und offizielle Empfänge abgehalten. Später logierte dort die Leibwache Cosimos I. Heute befinden sich in der Loggia Skulpturen aus der römischen Antike und der Florentiner Spätrenaissance deren bekannteste der "Perseus" von Benvenuto Cellini sein dürfte.


Cellinis Perseus

Den Rabenmann zog es vor allem zum Dom, er wollte mal wieder hoch hinaus! So erklommen wir die Stufen des 82m hohen Campanile, von wo aus man einen tollen blick auf die Stadt hat.


In den Gassen von Florenz, im Hintergrund sieht man den Dom

Abgeschreckt von den Touristenschlangen begnügten wir uns damit, die Taufkapelle Battistero di San Giovanniund mit der sogenannten "Paradiestür" von außen zu bewundern. Auf ihr sind 10 Begebenheiten des alten Testaments dargestellt, der Künstler, der Ghiberti hieß, hat zum zum Formen und Gießen der wuchtigen Torflügel mit ihren mehr als hundert Figuren mehr als 25 Jahre benötigt. An Ort und Stelle kann man heute nur eine Kopie bewundern. Das Original befindet sich im Dom-Museum.

Als die Touristenschlange vor dem Dom zufällig mal etwas kürzer wurde, gingen wir auch hinein. Im Gegensatz zur reich mit verschieden farbigem Mamor verzierten Fassade, die erst zwischen 1875 und 1887 nach dem Entwurf von Emilio de Fabris fertig gestellte worden ist, wirkt das Innere fast kahl. Eindrucksvoll ist natürlich die Kuppel, der Bau samt Laterne hat eine Höhe von 107 m. Brunelleschi war der geniale Baumeister. Innen ist die Kuppel mit Fresken bemalt, die das Jüngste Gericht darstellen. Man kann sie auch erklimmen, aber das verschoben wir auf unseren nächsten Besuch, obwohl es sicher interessant ist. Im Zweiten Weltkrieg diente das Labyrinth von Gängen und Treppchen zwischen der inneren und äußeren Kuppelschale übrigens einigen hundert Flüchtlingen als Versteck vor den Nazis.


Vor dem Dom

 

Santissima Annunziata und Spedale degli Innocenti (es war früher das Findelhaus, heute befinden sich darin natürlich Kunstwerke, was sonst?) sahen wir nur von außen, am Spedale kann man noch sehen, wo sich die kleine Drehtür (Ruota degli Innocenti) befand, durch die man noch bis 1875 anonym unerwünschte Kinder der Obhut der Kurche übergeben konnte - eine frühe Babyklappe also! Den Platz vor der Kirche, der als einer der schönsten in Florenz gilt, genossen wir mit einem Eis in der Hand.


Die "Babyklappe" am Spedale degli Innocenti

Als wir an den Uffizien vorüber kamen, waren diese längst geschlossen, in einem Papierladen kaufte ich aber zwei schöne Drucke mit Ausschnitten aus Botticellis Primavera. Dann schlenderten wir gemächlich zur Ponte Vecchio. Weil die Grundstückskosten im Mittelalter so hoch waren, entstanden auf den Brücken richtige Ladenstraßen mit kleinen Buden. Es gab auch Brücken, auf denen man beten sollte: Dort ließen sich Bettelmönche in kleine Kabäuschen einmauern und lebten von Essensgeschenken, die durch Luken hineingeschoben wurden. Ponte Vecchio ist die einzige Brücke aus der Zeit, die in Florenz noch erhalten ist. Die übrigen wurden im 2. Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht zerstört, um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten. Auf der Brücke befinden sich heute nur noch Juwelierläden, das ist auf die Medici zurückzuführen, ihnen war der Gestank und der Lärm der ursprünglich dort sesshaften Handwerker (vor allem Metzger) zu viel.


Ponte Vecchio - die alte Brücke

In der Verlängerung der Brücke liegt der Palazzo Pitti, auch diesen konnten wir nur noch von außen ansehen. Er wurde ursprünglich für die Kaufmannsfamilie Pitti erbaut, die damit den Glanz der Medici übertrumpfen wollte. Das klappte nicht ganz, denn die Familie ging daraufhin Pleite, und der Palast wurde von den Medici übernommen und noch ausgebaut. Wir werden ihn bestimmt nochmal besuchen, denn er vermittelt einen guten Eindruck vom dem aufwendigen Lebensstil der Herrscherfamilie. Wer sich Zeit nimmt, findet in der Masse Gemälde von Raffael, Rubens, Tizian, Caravaggio, Perugino, Fra Bartolomeo, Vasari, Sodoma, Andrea del Sarto, Tintoretto, Luca Signorelli, van Dyck, Velazquez ...

Im Hof des Palazzo Pitti fand gerade eine Veranstaltung für Kinderchöre der Welt statt. Ich musste an eine bestimmte Nette denken, als beim anschließenden Umzug Kinder mit griechischen Fähnchen an uns vorüber zogen. Der Umzug, angeführt von einer historischen Trommlergruppe (die die Rabenfrau wie üblich zu Tränen rührte), verursachte ein gewaltiges Verkehrschaos in den kleinen Straßen auf der südlichen Flusseite!


Kinderumzug vor dem Palazzo Pitti

Mittwoch, 5. 7.

Nach dem ereignisreichen Tag in Florenz hatten wir uns mal wieder einen faulen Tag verdient, befanden wir! Er verging mit lange Ausschlafen, Einkaufen, Ausruhen, Fotografieren, Lesen...

Donnerstag, 6. 7.

Heute stand die ehemalige Benediktiner-Abtei Sant' Antimo auf unserem Programm. Sie wurde bereits im 8. Jh. (der Legende nach von Karl dem Großen als Dank für das Ende einer Pestepedemie) gegründet und in den folgenden Jahrhunderten stetig erweitert. Die Kirche, im 12. Jh. aus cremefarbenem Travertin errichtet, ist ein stattliches Beispiel des italienisch-romanischen Baustils. Sie wurde nie ganz fertig gestellt, da der aufwendige Bau wahrscheinlich den finanziellen Rahmen der Abtei überstieg. Das schmale Hauptschiff beeindruckt durch seine graziöse Höhe von 20 m, eingefasst von Säulen, deren Kapitelle z. T. mit Ornamentik verziert sind. Völlig anders geartet ist das berühmte Kapitell der zweiten Säule rechts mit dem Motiv "Daniel in der Löwengrube". Es wird dem Meister von Cabestany, einem Bildhauer aus dem französischen Languedoc, zugeschrieben.

Gegen Ende des 13. Jhdts. verfiel der Konvent, 1979 kam mit Hilfe von fünf Prämonstratensermönchen wieder kirchliches Leben in die Abtei. Inzwischen leben die aus der Normandie und der Bretagne stammenden klerikalen Herren in einem Nebengebäude. Mehrmals am Tage kann man ihren Andachten beiwohnen, die von gregorianischen Gesängen untermalt werden. Auch zwischen den Gottesdiensten kann man die Gesänge hören, allerdings vom Band.

Leider war die Kirche, wie so vieles momentan in der Toskana, eine Baustelle. Deswegen konnte man nicht alles ansehen. Aber mir hat die einfache Ausstattung der Kirche sehr gefallen. Leider konnte ich mit meiner Kamera keine Aufnahmen vom Kircheninneren machen, aber hier kann man einige schöne Fotos angucken.


Olivenbaum vor Sant' Antimo

Vor der Kirche standen viele alte Olivenbäume. Eine Seltenheit, denn die meisten, die wir gesehen haben, waren viel jünger und wirkten eher wie Büsche. Ende der 80er Jahre sind nämlich in der Toskana in einem harten Winter fast alle Olivenbäume erfroren. Man sägte die St ümpfe ab, und rundherum sprossen neue Bäumchen empor. Das ist der Grund, warum man oft mehrere Bäume im Kreis stehen sieht. Heute finden die meisten Bauern es auch wohl einfacher, niedrigere Bäume zu bearbeiten. Mit den modernen, intensiven Anbaumethoden werden die Bäume wohl auch nicht mehr so alt. a

Auf dem Rückweg machten wir Station in Buonkonvento, einem kleinen Städtchen, das im 14. Jhdt. über den Resten des römischen Kastells Percenna entstand. "Der gute Treffpunkt" heißt Buonconvento übersetzt. Der Ort, von hohen Ziegelsteinmauern umgeben, lag im Mittelalter an der wichtigen Frankenstraße, die Nordeuropa mit Rom verband. So logierten hier damals die Reisenden: Händler, Gesandte und sogar gekrönte Häupter mit ihrem Tross. Heinrich VII, der hier im 14. Jhdt. unterwegs war,um zwischen Guelfen und Ghibellinen zu vermitteln, starb hier an Malaria.

Heute wirkt Buonconvento, als würde es an einem Wettbewerb von "unser Dorf soll schöner werden" teilnehmen: Überall findet man unzählige Blumentöpfe und beqpflanzte Eckchen.


Idyllischer Winkel in Buonconvento

Freitag, 7. 7.

Unser letzter Tag hier in der Toskana! Am frühen morgen wurden wir durch ein Gewitter geweckt! Es blitzte und donnerte ununterbrochen, und die gegenüberliegenden Hügel konnte man im heftigen Regen gar nicht mehr sehen. Aber zum Frühstück war alles wieder trocken, bis auf die Gartenstühle. Um keine nassen Hintern zu bekommen, borgten wir Stühle von der Nachbarwohnung!


Am Tag als der Regen kam...

So allmählich packten wir unseren Kram wieder ins Auto. Zwischendurch lagen wir faul am Pool herum. Nachmittags kam noch einmal ein Gewitter über uns. Wir fuhren zum letzten Mal in den Ort hinunter, um noch ein paar Mitbringsel einzukaufen. An der Kirche waren Frauen dabei, alles für eine Veranstaltung im Freien aufzubauen. Wie wir erfuhren, sollte am Abend dort eine Modenschau stattfinden, zu der, der Anzahl der Aufgebauten Stühle nach zu urteilen, das ganze Dorf erwartet wurde! Da es immer noch grommelte, fanden wir das etwas optimistisch, aber das Wetter hielt tatsächlich! (Wir waren aber nicht dort)

Wir nutzten noch die Gelegenheit, S. Agata zu besichtigen. Die romanische Kirche ist aus hellem Travertin errichtet. Im Kircheninneren findet man das Fragment eines Frescos der Kreuzabnahme, das Sodoma zugeschrieben wird.

Ein letztes Abendessen in "unserer" Pizzeria, dann ging es ein letztes Mal den steilen Berg zu unserer Ferienwohnung hinauf.

Samstag 8. 7.

Um 7 Uhr klingelte der Wecker. Als wir auf die Terasse kamen, lag dichter Nebel im Tal, der sich aber bald lichtete, so dass wir unsere "Henkersmahlzeit" doch draußen einnehmen konnten. Danach wurden die letzten Sachen ins Auto verfrachtet, und wir verabschiedeten uns von Signora Scali, die die Ferienwohnungen von "La Costa" verwaltete.

So gegen 20 Uhr waren wir dann wieder in Ulm. Toskana, wir kommen wieder! Bestimmt!


Blick über die "Crete senesi", die typischen, kahlen Hügel der Toskana